
Argor-Heraeus: Schweizer Raffinerie hinter Heraeus und Kinebar
Argor-Heraeus ist eine Goldraffinerie in Mendrisio im Schweizer Kanton Tessin und gehört vollständig zur Heraeus-Gruppe. Seit 1. Juli 2026 ist sie dort eine eigenständige operative Gesellschaft, in der das gesamte Luxus- und Anlagegeschäft mit Edelmetallen gebündelt ist. Bekannt ist sie vor allem für den Kinebar, einen Goldbarren mit Hologramm.
Geschichte in Kürze
Emilio Weiss und Elvio Zoppi gründeten 1951 die ARGOR SA, die erste Edelmetallgießerei im Tessin. 1961 wurde das Unternehmen Mitglied des Londoner Goldmarkts; im selben Jahr beginnt laut LBMA auch seine Listung auf der Good Delivery List. In den 1960er-Jahren erreichte Argor die Feinheit 999,9 und prägte als erste Schweizer Raffinerie Münzen und Medaillen.
In den 1970er-Jahren übernahm die UBS das Unternehmen vollständig. 1986 stieg die Heraeus-Gruppe ein, und die Firma hieß fortan ARGOR-HERAEUS SA. 1988 bezog sie den heutigen Hauptsitz in Mendrisio, 1993 kam der Kinebar auf den Markt. 2017 wurde Argor-Heraeus vollständig Teil der Heraeus-Gruppe und in Heraeus Precious Metals eingegliedert. Es folgten Tochtergesellschaften in Deutschland (2004) und Italien (2006) sowie 2022 die Übernahme der Erbas SA.
Wem gehört Argor-Heraeus heute?
Argor-Heraeus gehört vollständig zur Heraeus-Gruppe aus Hanau, die ihrerseits im Besitz der Familie Heraeus ist. Der Firmenname ist unverändert; eine Umfirmierung gab es nicht. Geändert hat sich 2026 die Stellung in der Gruppe: Bis Juni 2026 war Argor-Heraeus ein Geschäftsbereich innerhalb der Gesellschaft Heraeus Precious Metals.
Zum 1. Juli 2026 wurde Heraeus Precious Metals in zwei operative Gesellschaften geteilt. Das Industriegeschäft bleibt bei Heraeus Precious Metals in Hanau, das Luxus- und Anlagegeschäft liegt bei Argor-Heraeus in Mendrisio. Robin Kolvenbach, zuvor Co-CEO, leitet Argor-Heraeus seitdem als CEO. Beide Gesellschaften bleiben im Geschäftsbereich Edelmetalle der Heraeus-Gruppe.
Was produziert Argor-Heraeus?
Das Unternehmen raffiniert, verarbeitet und vertreibt Edelmetalle weltweit. Für Anleger relevant sind die Barren, die unter dem Namen Argor-Heraeus und für Heraeus gefertigt werden. Außerdem stellt Argor-Heraeus nach Angaben der Münze Österreich deren Goldbarren her. Weitere Geschäftsfelder sind Edelmetallbeschichtungen und Vorlegierungen.
Alle Goldbarren haben eine Feinheit von 999,9 und werden laut Hersteller von einem vereidigten Prüfer zertifiziert.
- Gegossen (Classic): 50 g, 100 g, 250 g, 500 g, 1.000 g sowie der 400-Unzen-Barren für den Großhandel
- Geprägt (Classic): 1 g, 2 g, 5 g, 10 g, 20 g, 1 Unze, 50 g und 100 g
- Kinebar: 1 g, 2 g, 5 g, 10 g, 20 g, 1 Unze, 50 g und 100 g
- Origin Traced: Barren mit nachverfolgbarer Herkunft des Goldes (1.000 g gegossen, 1 Unze geprägt)
- Goldseed: Set aus 10 × 1 g
Was ist ein Kinebar?
Der Kinebar ist ein geprägter Goldbarren, in den ein Kinegramm eingearbeitet ist – ein Hologramm, dessen Motiv sich je nach Blickwinkel verändert. Es ist schwer nachzumachen und soll Fälschungen erschweren. Argor-Heraeus führte den Kinebar 1993 ein. Die Barren sind in einer versiegelten Karte verpackt, die Seriennummer und Feinheit ausweist.
Ein 10-g-Kinebar misst laut Hersteller 31,5 × 18,5 × 1,0 mm, ein 100-g-Kinebar 49,7 × 28,5 × 3,9 mm. Solche Maße helfen bei der Echtheitsprüfung, weil gefälschte Barren mit Wolframkern bei gleichem Gewicht meist andere Abmessungen haben.
Zertifizierungen
Argor-Heraeus steht seit 1961 auf der LBMA-Good-Delivery-Liste für Gold. Damit unterliegt die Raffinerie den LBMA-Regeln zu Mindestproduktion, Eigenkapital, regelmäßiger Qualitätsprüfung und verantwortungsvoller Beschaffung mit jährlichem Audit. 2003 wurde Argor-Heraeus von der LBMA zudem als eine der Referenzraffinerien („Referee“) bestimmt, die Proben für die Qualitätskontrolle anderer Raffinerien prüfen.
Dem Responsible Jewellery Council (RJC), einem Branchenverband für verantwortungsvolle Lieferketten in der Schmuck- und Uhrenindustrie, gehört Argor-Heraeus seit 2005 an.
Argor-Heraeus und die Tessiner Raffinerien
Auf der LBMA-Goldliste stehen im November 2026 fünf Schweizer Raffinerien. Drei davon liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Südtessin: Argor-Heraeus in Mendrisio, Valcambi in Balerna und MKS PAMP in Castel San Pietro. Die beiden anderen sind Metalor in Marin und PX Précinox in La Chaux-de-Fonds, beide im Westen der Schweiz.
Argor wurde 1951 als erste Edelmetallgießerei im Tessin gegründet, Valcambi folgte 1961, PAMP 1977. Alle drei verarbeiten heute Gold zu Barren in Größen vom Gramm bis zum Good-Delivery-Barren.
Was bedeutet „Origin Traced“?
Mit der Linie Origin Traced bietet Argor-Heraeus Barren an, bei denen die Herkunft des Goldes bis zur Quelle nachvollziehbar ist. Das richtet sich an Käufer, denen die Lieferkette wichtig ist. Angeboten werden ein gegossener Barren mit 1.000 g und ein geprägter Barren mit 1 Unze, beide mit der Feinheit 999,9.


