

Gold notierte am 25. Juni 2026 zeitweise bei rund 4.033 US-Dollar je Feinunze. Erst einen Tag zuvor war der Preis erstmals seit November 2025 unter die Marke von 4.000 US-Dollar gefallen. Diese starken Bewegungen verdeutlichen, wie hoch der materielle Wert selbst kleiner Goldprodukte inzwischen ist. Sie zeigen aber auch, weshalb eine sorgfältige Prüfung von Münzen und Barren immer wichtiger wird.
Ein aktuelles Interview des Handelsblatts mit dem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Peter Zgorzynski lenkt den Blick auf ein Risiko, das viele Anleger unterschätzen: Moderne Goldfälschungen bestehen nicht zwingend aus billigem Metall. Manche Münzen können aus Gold mit dem korrekten Feingehalt gefertigt sein und dennoch keine authentischen Prägungen darstellen.
Der entscheidende Unterschied lautet deshalb: Goldwert und Echtheit sind nicht dasselbe.
Der hohe Goldpreis hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Besitzer dazu bewegt, ältere Bestände überprüfen, umschichten oder verkaufen zu lassen. Dadurch gelangen Münzen und Barren aus privaten Tresoren, Nachlässen und Sammlungen wieder in den Handel.
Nach Angaben des World Gold Council stieg die weltweite Nachfrage nach Gold einschließlich außerbörslicher Geschäfte im ersten Quartal 2026 auf 1.231 Tonnen. Besonders auffällig war die Nachfrage nach Barren und Münzen: Sie erreichte 474 Tonnen und lag damit 42 Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig nahm das Angebot aus recyceltem Gold um fünf Prozent zu.
Mehr Recycling und ein aktiverer Sekundärmarkt bedeuten nicht automatisch, dass mehr Fälschungen existieren. Sie erhöhen jedoch die Zahl der Transaktionen, bei denen Herkunft, Identität und Echtheit eines Produkts neu bewertet werden müssen.
Zgorzynski berichtet im Handelsblatt, dass derzeit mehr Fälschungen auf den Markt kämen. Der Sachverständige arbeitet seit rund 27 Jahren in der deutschen Edelmetallbranche und prüft unter anderem Gold- und Silbermünzen sowie Barren für eine deutsche Großbank.
Viele Anleger stellen sich eine gefälschte Goldmünze als vergoldete Kopie aus Blei, Messing oder Kupfer vor. Gewicht, Klang oder Farbe müssten eine solche Fälschung doch schnell verraten.
Diese Erwartung stimmt bei einfachen Kopien. Sie greift bei modernen Fälschungen jedoch zu kurz.
Nach den Schilderungen des Sachverständigen werden mittlerweile Münzen hergestellt, deren Materialzusammensetzung und Feingehalt den Werten eines Originals entsprechen können. Die Münze besteht dann tatsächlich aus Gold. Gefälscht sind jedoch Prägung, Jahrgang, Münzzeichen oder Herkunft.
Hinter diesem Vorgehen kann ein kriminelles Interesse stehen, Gold unklarer Herkunft leichter in den regulären Markt einzuschleusen. Während gestohlener Schmuck identifizierbare Merkmale aufweisen kann, wirkt eine daraus hergestellte Anlagemünze auf den ersten Blick wie ein standardisiertes und international handelbares Produkt.
Eine solche Münze kann Gewicht, Durchmesser und Legierung eines Originals besitzen. Dennoch bleibt sie eine nicht autorisierte Kopie.
Besitzt eine gefälschte Münze den richtigen Goldgehalt, ist ihr Material nicht wertlos. Trotzdem kann der wirtschaftliche Verlust erheblich sein.
Eine anerkannte Anlagemünze wird am Markt nicht ausschließlich anhand ihres enthaltenen Goldes bewertet. Entscheidend sind ebenso ihre Authentizität, ihre Verkehrsfähigkeit und die zweifelsfreie Zuordnung zu einer offiziellen Prägung.
Wird eine Münze beim Wiederverkauf als Kopie erkannt, kann sie nicht mehr zum üblichen Münzpreis gehandelt werden. Häufig bleibt lediglich die Verwertung als Schmelzgold. Dabei entstehen Prüf-, Verarbeitungs- und Schmelzkosten sowie ein Sicherheitsabschlag.
Im Handelsblatt-Interview erläutert Zgorzynski dies am Beispiel eines 20-Franken-Vreneli. Wurde eine solche Münze mit einem Aufgeld von etwa vier Prozent gekauft und später nur zu einem deutlich unter dem Spotpreis liegenden Schmelzwert angenommen, könne sich der Gesamtverlust auf nahezu 20 Prozent summieren.
Diese Berechnung ist ein Beispiel des Interviewpartners und kein allgemeingültiger Ankaufswert. Sie verdeutlicht aber, weshalb der Materialwert allein den Schaden nicht ausgleicht.
Bei Goldbarren liegt das Risiko häufig im inneren Aufbau. Klassische Fälschungen bestehen aus einem unedlen Kern, der lediglich mit einer Goldschicht überzogen wurde. Anspruchsvollere Varianten verwenden Materialien, deren physikalische Eigenschaften Gold möglichst ähnlich sind.
Besonders häufig wird in diesem Zusammenhang Wolfram genannt. Seine Dichte liegt nahe an der Dichte von Gold. Wird ein Goldbarren teilweise mit Wolframstäben oder einem entsprechend geformten Kern gefüllt, kann das Gesamtgewicht trotz eines deutlich geringeren Goldanteils plausibel erscheinen.
Daneben beschreibt das Handelsblatt-Interview Barren, die tatsächlich Gold enthalten, jedoch nicht den ausgewiesenen Feingehalt. Ein angeblicher Feingoldbarren mit 999,9 Tausendteilen könnte beispielsweise teilweise aus einer Goldlegierung mit einem deutlich niedrigeren Goldanteil bestehen.
Bei einer oberflächlichen Messung kann die äußere Schicht dennoch einen korrekten Wert liefern. Der abweichende Kern bleibt unentdeckt, wenn keine zusätzliche Prüfung eingesetzt wird.
Viele moderne Goldbarren werden in einer versiegelten Sicherheitskarte angeboten. Darauf befinden sich Herstellerangaben, Seriennummern, Zertifikatsdaten oder QR-Codes.
Eine solche Verpackung erfüllt wichtige Funktionen. Sie schützt den Barren, erleichtert die Identifikation und kann Manipulationen sichtbar machen. Sie ist jedoch kein alleiniger Echtheitsnachweis.
Verpackungen und Zertifikate können kopiert oder vollständig gefälscht werden. Nach Darstellung des Sachverständigen können Materialien sogar so kombiniert werden, dass eine Messung durch die Verpackung zunächst einen plausiblen Leitfähigkeitswert anzeigt.
Im geschilderten Fall wurden die tatsächlichen Abweichungen erst erkannt, nachdem der Barren aus seiner Verpackung genommen worden war.
Das bedeutet nicht, dass originalverpackte Barren grundsätzlich verdächtig sind. Entscheidend ist vielmehr, ob Verpackung, Seriennummer, Hersteller und Lieferkette zusammenpassen.
Eine professionelle Echtheitsprüfung besteht nicht aus einem einzelnen Test. Fachleute kombinieren mehrere Verfahren, deren Ergebnisse sich gegenseitig bestätigen oder widersprechen können.
| Prüfverfahren | Was untersucht wird | Typische Grenze |
|---|---|---|
| Optische Prüfung und Mikroskopie | Prägebild, Rand, Schrift, Oberfläche, Stempelspuren und Münzzeichen | Erfordert Erfahrung, Referenzdaten und genaue Produktkenntnis |
| Gewicht und Abmessungen | Masse, Durchmesser, Dicke und Form | Passende Materialien oder geschickte Füllungen können Sollwerte nachbilden |
| Dichteprüfung | Verhältnis von Gewicht und Volumen | Metalle mit ähnlicher Dichte können das Ergebnis beeinflussen |
| Elektrische Leitfähigkeit | Elektrische Eigenschaften des Materials | Legierungen, Verpackungen und mehrschichtige Aufbauten können Messwerte verändern |
| Röntgenfluoreszenzanalyse | Elementare Zusammensetzung der untersuchten Fläche | Eine Oberflächenmessung bildet nicht zwangsläufig den gesamten Kern ab |
| Ultraschallprüfung | Materialübergänge, Einschlüsse, Hohlräume und abweichende Kerne | Benötigt korrekte Kalibrierung und fachkundige Interpretation |
| Herkunftsprüfung | Hersteller, Rechnung, Seriennummer, Vorbesitz und Lieferkette | Dokumente und Sicherheitskarten können ebenfalls manipuliert werden |
Die Deutsche Bundesbank prüft neben sichergestelltem Falschgeld auch kursfähige Gold- und Silbermünzen auf Echtheit. Bei Prüfgeräten empfiehlt sie grundsätzlich Verfahren, mit denen mehrere Merkmale untersucht werden können. Auch wenn sich diese Empfehlung auf verschiedene Arten von Zahlungsmitteln bezieht, unterstreicht sie einen zentralen Grundsatz: Ein einzelnes Merkmal sollte nicht isoliert bewertet werden.
Technische Geräte messen Materialeigenschaften. Sie wissen jedoch nicht automatisch, wie die Prägung einer bestimmten Münze aus einem bestimmten Jahr aussehen muss.
Bei historischen Goldmünzen können kleinste Details entscheidend sein. Dazu gehören Abweichungen an Buchstaben, eine untypische Randgestaltung, falsche Münzzeichen oder Spuren eines Prägestempels, der zum angegebenen Jahrgang nicht passen kann.
Zgorzynski nennt im Interview unter anderem die deutsche 20-Mark-Goldmünze mit Wilhelm II. Sie wurde in unterschiedlichen Prägestätten hergestellt. Unterschiede können so klein sein, dass sie nur durch Fachwissen und eine genaue Randprüfung erkennbar werden.
Auch bei bekannten Anlagemünzen wie dem Krügerrand oder dem Schweizer Vreneli können minimale Abweichungen entscheidend sein. Ein allgemeines Analysegerät erkennt zwar möglicherweise den Goldgehalt. Es kann aber nicht beurteilen, ob Prägebild, Rand und Jahrgang authentisch zusammengehören.
Jedes Prüfverfahren beantwortet nur eine bestimmte Frage.
Eine Röntgenfluoreszenzanalyse kann sehr präzise zeigen, welche Elemente sich im untersuchten Bereich befinden. Sie sagt jedoch nicht in jeder Prüfkonfiguration zuverlässig, wie der gesamte innere Aufbau eines dicken Barrens aussieht.
Eine Leitfähigkeitsmessung kann auffällige Materialeigenschaften erkennen. Mehrschichtige Konstruktionen oder bestimmte Legierungen können den Messwert jedoch beeinflussen.
Eine Dichteprüfung zeigt, ob Gewicht und Volumen zusammenpassen. Sie liefert aber keine vollständige Aussage über Prägung, Herkunft oder innere Materialverteilung.
Auch ein positiver Ultraschalltest ersetzt nicht die optische Kontrolle einer Münze. Die größte Sicherheit entsteht deshalb aus der Summe verschiedener Prüfungen.
Der Messwert eines Gerätes ist ein Hinweis. Erst die fachkundige Gesamtauswertung wird zu einer belastbaren Beurteilung.
Im Handelsblatt kritisiert Zgorzynski, dass es im Handel keine einheitlichen Vorgaben dafür gebe, welche Prüfgeräte in einer Filiale vorhanden sein müssten und über welche Ausbildung ein Prüfer verfügen sollte.
Hochwertige Prüfgeräte sind kostspielig. Nach seiner Darstellung kann ein Röntgenfluoreszenzgerät bis zu etwa 80.000 Euro kosten. Gleichzeitig müssen Unternehmen Mitarbeiter regelmäßig schulen und ihnen genügend Zeit für eine gründliche Prüfung geben.
Zgorzynski berichtet im Interview von einem eigenen Test mit fünf Münzen. Vier davon seien Fälschungen gewesen. Keiner der beteiligten Händler habe alle falschen Münzen eindeutig als Kopien identifiziert. Ein Händler hätte nach seiner Darstellung sogar die vier Fälschungen angekauft, während er ausgerechnet die echte Münze abgelehnt hätte.
Dieser Versuch stellt keine repräsentative Branchenstudie dar. Er verdeutlicht jedoch, wie unterschiedlich Prüfergebnisse ausfallen können, wenn verbindliche Prozesse, Erfahrung oder geeignete Vergleichsdaten fehlen.
Als mögliche Verbesserung nennt der Sachverständige zentrale Prüfstellen. Statt jede eingehende Münze in einer einzelnen Filiale abschließend bewerten zu lassen, könnten unklare oder hochwertige Produkte an spezialisierte Prüfeinheiten weitergeleitet werden.
Dort lassen sich mehrere Verfahren unter kontrollierten Bedingungen kombinieren. Zudem können Fachleute auf Referenzsammlungen, Mikroskope, Materialanalysen und dokumentierte Prüfroutinen zurückgreifen.
Ein zentraler Prozess benötigt möglicherweise mehr Zeit. Dafür sinkt das Risiko, dass eine Fälschung aufgrund von Zeitdruck oder fehlender Spezialisierung in den Bestand gelangt.
Gerade bei historischen Münzen und älteren Barren ist Schnelligkeit nicht das wichtigste Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob das Produkt später zweifelsfrei wieder verkauft werden kann.
Privatanleger können eine professionelle Laborprüfung nicht vollständig ersetzen. Sie können jedoch das Risiko beim Kauf deutlich reduzieren.
Der wichtigste Faktor ist die Herkunft. Eine Rechnung, ein etablierter Handelspartner und eine nachvollziehbare Lieferkette sind aussagekräftiger als eine professionell wirkende Verpackung allein.
Besondere Vorsicht ist bei Angeboten geboten, die deutlich unter dem aktuellen Marktwert liegen. Der Goldpreis ist jederzeit öffentlich nachvollziehbar. Ein seriöser Verkäufer hat normalerweise keinen wirtschaftlichen Grund, standardisiertes Anlagegold weit unter dem Materialwert abzugeben.
Auch Fotos, Zertifikate oder positive Bewertungen auf einer Verkaufsplattform reichen nicht aus, wenn die Identität des Verkäufers unklar bleibt.
Beim Kauf historischer Münzen sollte zusätzlich geklärt werden, ob lediglich der Goldwert oder auch ein numismatisches Aufgeld bezahlt wird. Je höher der Sammleraufschlag, desto wichtiger wird die fachkundige Prüfung der Prägung.
Bei Barren spielen Hersteller, Stückelung, Seriennummer und Verpackung eine wichtige Rolle. Dennoch sollte der Käufer nicht ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild vertrauen.
Ein Barren aus einer nachvollziehbaren, direkten Lieferkette bietet mehr Sicherheit als ein äußerlich identisches Produkt unbekannter Herkunft. Je häufiger ein Barren im Sekundärmarkt weitergereicht wurde, desto wichtiger werden Dokumentation und erneute Prüfung.
Eine beschädigte Verpackung bedeutet nicht automatisch, dass ein Barren gefälscht ist. Umgekehrt beweist eine unbeschädigte Verpackung nicht automatisch seine Echtheit.
Der entscheidende Punkt ist die Kombination aus Produkt, Hersteller, Herkunft, Prüfung und Verwahrung.
Bei Spargold steht physisch vorhandenes Edelmetall im Mittelpunkt. Es wird nicht lediglich ein abstraktes Versprechen auf eine spätere Beschaffung dargestellt.
Diese physische Verfügbarkeit ist allerdings nur ein Teil des Sicherheitskonzepts. Ebenso wichtig sind kontrollierte Beschaffung, klare Zuordnung und eine nachvollziehbare Verwahrkette.
Gerade in einem Markt, in dem selbst goldhaltige Produkte gefälscht sein können, wird Vertrauen nicht allein durch das Material geschaffen. Vertrauen entsteht durch Prozesse.
Ein Goldprodukt muss deshalb nicht nur vorhanden sein. Seine Herkunft und seine Identität müssen ebenfalls plausibel sein.
Die aktuelle Diskussion zeigt, dass Anleger zwischen mehreren Eigenschaften unterscheiden sollten.
Ein Produkt kann Gold enthalten, ohne ein echter Goldbarren des angegebenen Herstellers zu sein. Eine Münze kann den richtigen Feingehalt besitzen, ohne eine authentische Prägung zu sein. Eine Verpackung kann professionell aussehen, ohne aus der angegebenen Raffinerie zu stammen.
Der Materialwert beantwortet die Frage, wie viel Gold enthalten ist.
Die Echtheitsprüfung beantwortet die Frage, ob das vorliegende Produkt tatsächlich das ist, was es vorgibt zu sein.
Beide Fragen sind wichtig. Keine ersetzt die andere.
Ein korrekter Goldgehalt beweist noch keine authentische Münze. Ein passendes Gewicht beweist noch keinen massiven Feingoldbarren. Eine intakte Sicherheitskarte beweist noch keine zweifelsfreie Herkunft.
Moderne Goldfälschungen zielen gezielt auf einfache Prüfprozesse. Deshalb müssen optische Kontrolle, physikalische Messungen, Materialanalyse und Herkunftsprüfung zusammenspielen.
Für Anleger bedeutet das: Nicht nur der Preis entscheidet über die Qualität eines Goldprodukts. Ebenso wichtig sind der Handelspartner, die Lieferkette, die Prüfung und die spätere Wiederverkäuflichkeit.
Goldwert ist messbar – Echtheit entsteht durch Prüfung und Herkunft.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt weder eine individuelle Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen