
Metalor: Schweizer Raffinerie im Besitz von TANAKA
Metalor ist eine Edelmetallraffinerie mit Hauptsitz in Marin im Schweizer Kanton Neuenburg. Ihre Wurzeln reichen bis 1852 zurück, seit 2016 gehört sie zum japanischen Edelmetallkonzern TANAKA. Neben Anlagebarren stellt Metalor vor allem Produkte für Elektronik, Uhren und Schmuck her.
Geschichte in Kürze
Die Anfänge liegen 1852 in Le Locle im Neuenburger Jura: Die Firma Martin de Pury & Cie betrieb dort ein Walzwerk, das Gold für die Uhrengehäuse-Hersteller der Region schmolz und walzte. 1864 übernahm die Banque du Locle das Werk, 1918 der Schweizerische Bankverein. Dieser gründete 1936 die Tochter Métaux Précieux, aus der Metalor hervorging.
1998 wurde Metalor von der Bank unabhängig. 2009 übernahm der französische Finanzinvestor Astorg die Mehrheit. 2016 verkaufte Astorg alle Anteile an Tanaka Kikinzoku Kogyo aus Japan; seitdem ist Metalor eine hundertprozentige Tochter des Konzerns, der heute als TANAKA Precious Metals auftritt.
Standorte und Eigentümer
Metalor hat seinen Hauptsitz in Marin und beschäftigt rund 1.500 Menschen. Auf der LBMA-Goldliste stehen fünf Metalor-Werke: Marin (gelistet bereits vor 1934), North Attleboro in den USA (seit 1987), Hongkong (seit 2007), Singapur (seit 2014) und Suzhou in China (seit 2019).
Im März 2026 schloss Metalor die Übernahme des US-Edelmetallrecyclers Gannon & Scott ab, der seitdem ebenfalls zur TANAKA-Gruppe gehört. Eine Umbenennung von Metalor gab es nicht.
Für Minen und Recycler bietet Metalor die Raffination von Rohgold und Altmaterial an; für Banken und Händler liefert das Unternehmen Good-Delivery-Barren und Anlageprodukte. Hinzu kommen Referenzmaterialien nach ISO 17034, die Labore zur Kalibrierung ihrer Analysegeräte nutzen. Die Übernahme von Gannon & Scott, die Metalor im Oktober 2025 angekündigt hatte, erweitert das Recyclinggeschäft in den USA.
Produkte und Barrengrößen
Metalor gliedert sich in drei Geschäftsbereiche und verarbeitet sieben Metalle. Für Anleger sind die Barren interessant, für die Industrie Pulver, Beschichtungen und Halbzeuge.
- Geprägte Goldbarren: 1 g, 2 g, 5 g, 10 g, 20 g, 1 Unze, 50 g und 100 g, Feinheit 999,9, versiegelt in einer Karte mit Echtheitszertifikat
- Ab 20 g tragen die geprägten Barren einen DataMatrix-Code und eine Seriennummer
- Gegossene Goldbarren: 100 g, 250 g, 500 g und 1 kg mit 999,9
- Good-Delivery-Barren mit rund 12,5 kg (400 Unzen) für den Großhandel, Feinheit je nach Markt 995 bis 999,9
Rolle im Markt
Metalor ist bei der LBMA und beim London Platinum and Palladium Market als Referee tätig. Solche Referenzraffinerien prüfen im Auftrag der Verbände Proben anderer Raffinerien und tragen so zur Qualitätssicherung im Großhandel bei.
Als Good-Delivery-Raffinerie muss Metalor die LBMA-Vorgaben zur verantwortungsvollen Beschaffung einhalten und sich jährlich unabhängig prüfen lassen.
Für den Hauptsitz in Marin nennt die LBMA als Datum der ersten Listung nur „vor 1934“; genauere Angaben gibt es für diese frühen Einträge nicht. Damit gehört Marin zu den ältesten Einträgen der Liste, ebenso wie Aurubis in Hamburg.
Was unterscheidet Metalor von anderen Schweizer Raffinerien?
Anders als Argor-Heraeus, Valcambi und MKS PAMP sitzt Metalor nicht im Tessin, sondern im Kanton Neuenburg. Die Firmengeschichte beginnt mit Gold für Uhrengehäuse. Bis heute beliefert Metalor die Uhren- und Schmuckindustrie mit Halbzeugen und Legierungen.
Eine weitere Besonderheit ist die internationale Aufstellung: Mit fünf Werken auf der LBMA-Goldliste in Europa, Asien und Nordamerika hat Metalor mehr gelistete Standorte als jede andere Raffinerie dieses Bereichs. Seit 2016 gehört Metalor mit TANAKA einem japanischen Eigentümer.
Woran erkennt man Metalor-Barren?
Geprägte Metalor-Barren werden in einer Blisterkarte im Kreditkartenformat geliefert, die das Echtheitszertifikat enthält. Ab 20 g tragen sie einen DataMatrix-Code und eine Seriennummer, über die sich der Barren eindeutig zuordnen lässt. Bei gegossenen Barren sind Herstellerzeichen, Feinheit, Gewicht und Seriennummer eingeschlagen.


