
Goldreserven Indien: Die Reserve Bank of India holt Gold heim
Die Goldreserven Indiens lagen Ende März 2026 bei 880,52 Tonnen, gehalten von der Reserve Bank of India (RBI). Mehr als drei Viertel davon lagern inzwischen im Inland. Gold machte zu diesem Zeitpunkt 16,7 Prozent der indischen Devisenreserven aus.
Wie viel Gold hat Indien?
Laut Jahresbericht der RBI stieg der Goldbestand im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 leicht von 879,58 auf 880,52 Tonnen. Der World Gold Council führt Indien mit rund 881 Tonnen auf Platz neun.
Im Juni 2026 wies die RBI Berichte zurück, sie habe Gold verkauft. Auslöser war eine Analyse von Bloomberg Economics, die Verkäufe im Wert von rund 12 Milliarden US-Dollar im Mai vermutete. Der Rückgang des Dollarwerts der Reserve – 2,19 Milliarden US-Dollar in der Woche bis 29. Mai – sei auf Preisänderungen zurückzuführen, die Menge sei unverändert.
Wo lagert das indische Gold?
Die RBI veröffentlicht die Verteilung zweimal im Jahr in ihrem Bericht zur Verwaltung der Devisenreserven. Ende März 2026 lagen 680,05 Tonnen in Indien. 197,67 Tonnen verwahrten die Bank of England und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), weitere 2,80 Tonnen waren als Golddepots angelegt.
Ein halbes Jahr zuvor, Ende September 2025, lagen erst 575,8 Tonnen im Inland und 290,37 Tonnen im Ausland. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 holte die RBI damit 104,23 Tonnen nach Indien. Der Inlandsanteil stieg in diesem halben Jahr von rund zwei Dritteln auf gut drei Viertel. Die 2,80 Tonnen Golddepots sind Gold, das nicht im Tresor liegt, sondern als Einlage angelegt ist.
Die Rückholung seit 2024
2024 brachte die RBI rund 100 Tonnen Gold aus Großbritannien nach Indien. Es war die erste Verlagerung dieser Größe seit 1991. Danach folgten weitere Transporte, sodass der Inlandsanteil heute bei gut drei Vierteln liegt.
Die Bank of England ist eine der wichtigsten Verwahrstellen für Zentralbankgold. Dort lagern unter anderem 404 Tonnen der Bundesbank, rund ein Fünftel des Schweizer Goldes und seit 2026 knapp ein Drittel des niederländischen Goldes. Gründe für die Rückholung nennt die RBI in ihren Berichten nicht ausführlich. In der Berichterstattung wird die Rückholung meist mit wachsenden globalen Risiken in Verbindung gebracht.
Geschichte: 1991 und 2009
1991 geriet Indien in eine schwere Zahlungsbilanzkrise. Im Juli 1991 brachte die RBI 46,91 Tonnen Gold zur Bank of England und zur Bank of Japan und beschaffte damit rund 400 Millionen US-Dollar. Das Gold diente als Sicherheit und wurde nach Rückzahlung des Kredits zwischen September und November 1991 wieder ausgelöst.
Zwischen dem 19. und 30. Oktober 2009 kaufte die RBI 200 Tonnen Gold vom IWF. Der Fonds hatte beschlossen, 403,3 Tonnen zu verkaufen, Indien übernahm also fast die Hälfte. Der Kaufpreis lag bei rund 6,7 Milliarden US-Dollar, der Bestand stieg dadurch von 357 auf 557 Tonnen.
Gold in der indischen Reservepolitik
Der Goldanteil an den Devisenreserven stieg innerhalb eines halben Jahres von 13,92 Prozent im September 2025 auf 16,70 Prozent im März 2026. Da die Menge im selben Zeitraum fast gleich blieb, geht der Anstieg vor allem auf den Goldpreis zurück, nicht auf Zukäufe. Bis zum 22. Mai 2026 stieg der Anteil weiter auf 16,85 Prozent.


