
LBMA-Goldpreis: das Londoner Goldfixing
Der LBMA-Goldpreis ist der Referenzpreis des Londoner Goldmarkts und wird zweimal an jedem Londoner Handelstag in einer elektronischen Auktion ermittelt. Umgangssprachlich heißt er noch immer Goldfixing oder London Gold Fixing. Zentralbanken, Raffinerien, Fonds und Händler nutzen ihn, um Verträge abzurechnen und Bestände zu bewerten.
Wie läuft die Auktion ab?
Die Auktion findet auf einer Plattform der ICE Benchmark Administration statt. Zu Beginn jeder Runde nennt IBA einen Preis. Die Teilnehmer haben dann ein festes Zeitfenster, etwa 30 Sekunden, um Kauf- und Verkaufsaufträge zu diesem Preis einzugeben, zu ändern oder zu löschen.
Am Ende der Runde vergleicht das System Angebot und Nachfrage. Liegt das Ungleichgewicht über einer festgelegten Schwelle, wird der Preis angepasst und eine neue Runde beginnt. Liegt es innerhalb der Schwelle, endet die Auktion und der Preis steht fest. Das verbleibende Ungleichgewicht wird gleichmäßig auf die Direktteilnehmer verteilt.
Mitarbeiter von IBA überwachen jede Auktion. Die Geschäfte werden zentral gecleart, die Lieferung erfolgt spot, also zwei britische Geschäftstage nach dem Auktionstag.
Wer nimmt teil?
Es gibt Direktteilnehmer und indirekte Teilnehmer. Direktteilnehmer handeln selbst in der Auktion, indirekte Teilnehmer geben ihre Aufträge über einen Direktteilnehmer weiter. Laut LBMA tragen derzeit 15 Direktteilnehmer zum Goldpreis bei, darunter Bank of China, Goldman Sachs, HSBC, JPMorgan, Standard Chartered und mehrere Handelshäuser.
Alle Teilnehmer müssen einen Verhaltenskodex einhalten. Ein Aufsichtsgremium bei IBA, das Precious Metals Oversight Committee, überwacht Definition und Methodik des Preises. Nach Angaben der LBMA entspricht das Verfahren den IOSCO-Grundsätzen für Finanz-Benchmarks.
Gibt es ein London Fixing in Euro?
Gehandelt und abgerechnet wird in der Auktion nur in US-Dollar. IBA veröffentlicht den Preis aber zusätzlich in Euro und britischen Pfund. Dafür wird der Dollarpreis mit dem Devisenkurs umgerechnet, der beim Ende der letzten Runde gilt.
Die Euro- und Pfund-Werte sind also Umrechnungen, keine eigenständigen Auktionen. Wer den LBMA-Goldpreis in Euro sucht, findet ihn für die AM- und die PM-Auktion. Für Silber gibt es eine eigene Auktion einmal täglich um 12:00 Uhr Londoner Zeit.
Wie hat sich das Goldfixing seit 1919 entwickelt?
Am 12. September 1919 vereinbarte die Bank of England mit dem Bankhaus NM Rothschild & Sons einen täglichen Goldpreis. Fünf Häuser legten ihn fest: Rothschild als Vorsitz, Mocatta & Goldsmid, Pixley & Abell, Samuel Montagu & Co. und Sharps Wilkins. Beim ersten Fixing um 11 Uhr lag der Preis bei 4 Pfund, 18 Schilling und 9 Pence. In den ersten Tagen wurde per Telefon geboten, danach traf man sich täglich in den Räumen von Rothschild.
Am 1. April 1968 wechselte die Preisangabe von Pfund auf US-Dollar, und es gab fortan zwei Fixings pro Tag. Über Jahrzehnte setzten wenige Mitgliedsbanken den Preis in einem nicht öffentlichen Verfahren fest, zuletzt fünf Market-Making-Banken.
Was änderte sich nach dem Skandal 2015?
Das alte Verfahren geriet in die Kritik. Im Mai 2014 verhängte die britische Finanzaufsicht FCA gegen Barclays eine Strafe von rund 26 Millionen Pfund. Ein Händler der Bank hatte am 28. Juni 2012 beim Nachmittagsfixing Aufträge platziert, um den Preis unter eine bestimmte Schwelle zu drücken. Die FCA bemängelte zudem Kontrollen und Interessenkonflikte über den Zeitraum von 2004 bis 2013.
Im März 2015 übernahm die ICE Benchmark Administration als unabhängiger Administrator. Aus dem telefonischen Fixing wurde eine elektronische, handelbare und prüfbare Auktion, und der Kreis der Teilnehmer wurde für weitere Banken und Handelshäuser geöffnet. Seitdem heißt der Preis offiziell LBMA Gold Price.
Fixing, Spotpreis, Future: Was ist der Unterschied?
Das Fixing ist eine Momentaufnahme zu zwei festen Zeiten. Der Spotpreis ändert sich dagegen laufend, solange irgendwo auf der Welt gehandelt wird. Der Preis eines Futures an der COMEX bezieht sich auf einen späteren Liefertermin und liegt deshalb meist etwas darüber.
Für Abrechnungen ist das Fixing nützlich, weil alle Beteiligten denselben, nachprüfbaren Wert verwenden. Wer die Daten kommerziell nutzt, braucht eine Lizenz von IBA. Historische Preise stellt die LBMA nur noch im lizenzpflichtigen Portal bereit.


