
Goldtresore der Bank of England
Die Bank of England betreibt unter der Londoner City neun Goldtresore mit rund 400.000 Barren. Ende September 2026 verwahrte sie laut eigener Statistik 185,9 Mio. Feinunzen, also rund 5.781,9 Tonnen. Damit ist sie nach der New York Fed der zweitgrößte Goldverwahrer der Welt.
Wie viele Tresore hat die Bank of England?
Die Bank of England nennt neun unterirdische Tresore in ihrem Londoner Hauptsitz. Darin liegen rund 400.000 Goldbarren. Die Bank beziffert ihren Wert auf über 200 Mrd. Pfund.
Den Bestand veröffentlicht die Bank monatlich in Feinunzen. Ende September 2026 waren es 185.893.000 Unzen, das sind rund 5.781,9 Tonnen. Gegenüber dem Vormonat stieg der Bestand um 1,4 %.
Die Statistik reicht bis Januar 2011 zurück. Damals waren es 178,3 Mio. Unzen. Der Bestand schwankt, weil Zentralbanken und Banken Gold ein- und auslagern. Banknoten lassen sich bei der Bank of England seit den frühen 1930er-Jahren nicht mehr in Gold tauschen.
Wem gehört das Gold in London?
Der Bank selbst gehören nach eigenen Angaben nur zwei Barren, beide sind im Museum ausgestellt. Alles andere verwahrt sie für Kunden. Dazu gehören die britische Regierung, deren Goldreserven die Bank für das Finanzministerium verwaltet, und viele ausländische Zentralbanken.
Auch ausgewählte Geschäftsbanken können ein Konto erhalten. Das soll Zentralbanken den Zugang zum Londoner Goldmarkt erleichtern. Das Gold wird allokiert gelagert: Kunden haben Eigentum an bestimmten Barren. Es taucht daher nicht in der Bilanz der Bank auf.
Die Bundesbank lagert in London 404 Tonnen, rund 12 % der deutschen Goldreserven (Stand: 31.12.2025).
Welche Rolle spielt die Bank of England im Goldmarkt?
London ist der wichtigste Handelsplatz für Gold im Großhandel. Die Bank of England ist dabei ein zentraler Verwahrer. Wird Gold zwischen Kunden gehandelt, bewegt sich der Barren meist nicht. Die Bank trägt nur den neuen Eigentümer in ihr System ein.
Die LBMA weist die Bestände aller Londoner Tresore gemeinsam aus. Ende September 2026 waren es 9.821 Tonnen Gold, die Bank of England eingeschlossen. Silber lagert die Bank of England nicht, die 28.985 Tonnen Silber liegen bei gewerblichen Verwahrern.
Für private Anleger ist der Unterschied zwischen den Kontoarten wichtig. Im Londoner Großhandel läuft nach Angaben der LBMA der größte Teil über nicht allokierte Konten. Der Kontoinhaber hat dann nur einen Anspruch auf Metall aus dem Bestand des Verwahrers. Bei der Bank of England lagern Kunden dagegen allokiert, ihnen gehören bestimmte Barren.
Was geschah im Streit um das Gold Venezuelas?
Der Fall Venezuela zeigt, dass Gold in fremder Verwahrung auch zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werden kann. Die Zentralbank Venezuelas hält einen großen Teil ihres Goldes bei der Bank of England. Laut einem Londoner Urteil von 2022 sind das Reserven im Wert von rund 1,95 Mrd. US-Dollar.
Seit 2019 beanspruchten zwei rivalisierende Vorstände die Zentralbank: einer, der Präsident Nicolás Maduro unterstand, und einer, den der Oppositionsführer Juan Guaidó ernannt hatte. Großbritannien erkannte im Februar 2019 Guaidó als Interimspräsidenten an. Die Bank of England gab das Gold an keine Seite heraus.
Die Frage, wer über das Gold verfügen darf, beschäftigte die britischen Gerichte über mehrere Instanzen. Der Supreme Court entschied 2021, dass die Gerichte die Anerkennung Guaidós durch die britische Regierung zugrunde legen müssen. Im Juli 2022 folgte eine weitere Entscheidung des High Court zur Bedeutung venezolanischer Gerichtsurteile.
Warum lagern Zentralbanken ihr Gold in London?
Die Bank of England nennt drei Gründe: ihre jahrhundertelange Erfahrung, die genaue Buchführung über Eigentumsverhältnisse und die Nähe zum Handelsplatz London. Wer Gold verkaufen, verleihen oder tauschen will, kann das in London ohne Transport erledigen.
Auch die Bundesbank begründet ihre Auslandslager mit historischen und marktbezogenen Gründen. Ein Teil ihres Goldes wurde ihr bereits an den Handelsplätzen übertragen.


