
60,77 Dollar.
Dort beendete Silber am Freitag den Handel.
Und ausgerechnet jetzt steht ein Termin bevor, der den Markt erheblich bewegen könnte:
Dann veröffentlicht die USA ihre neuen Inflationsdaten.
Manche Marktbeobachter halten danach sogar Bewegungen Richtung:
70 Dollar
oder:
54 Dollar
für möglich.
Im Extremfall werden sogar Preise unter:
50 Dollar
diskutiert.
Kann wirklich ein einziger Inflationsbericht darüber entscheiden?
Die kurze Antwort:
Silber bewegt sich seit einiger Zeit um diese Marke.
Zuletzt wurden Rückgänge ungefähr bei 58,5 Dollar aufgefangen.
Anstiege scheiterten in der Region um 62,5 Dollar.
Das macht 60 Dollar charttechnisch interessant.
Aber:
Ein Metall weiß nicht, dass auf unserem Bildschirm eine runde Zahl steht.
60 Dollar sind deshalb keine ökonomische Naturkonstante.
Sie sind:
Und psychologische Marken können an Finanzmärkten erstaunlich wichtig sein.
Die amerikanischen Verbraucherpreise für September werden am Mittwoch veröffentlicht.
Die vorherigen August-Zahlen:
+3,4 % zum Vorjahr.
Kerninflation:
+2,4 %. Bureau of Labor Statistics
Reuters zufolge erwarten Ökonomen für September derzeit ungefähr:
3,7 % Gesamtinflation
und:
2,5 % Kerninflation. Reuters
Eine Überraschung nach oben könnte die Märkte unmittelbar verändern.
Denn die Federal Reserve hat gerade erst die Zinsen erhöht.
Im September hob sie den Leitzins um:
25 Basispunkte
auf:
Und genau deshalb schaut der Markt nun sehr genau auf jede neue Inflationszahl.
Denn:
Sie verändert die Erwartungen darüber, was die Fed als Nächstes tut.
Inflation höher als erwartet.
↓
Mehr Zinserhöhungen werden eingepreist.
↓
Anleiherenditen steigen.
↓
Der Dollar könnte stärker werden.
↓
Unverzinsliche Edelmetalle werden relativ weniger attraktiv.
↓
Gold und Silber geraten unter Druck.
Das ist die kurzfristige Seite.
Und sie ist real.
Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren inzwischen über fünf Prozent.
Für ein Metall, das keinen laufenden Ertrag zahlt, ist das kein unwichtiger Konkurrent. Reuters
Fällt die Inflation schwächer aus als erwartet, könnte sich die Kette umkehren.
Weniger Zinserhöhungen.
Sinkende Renditen.
Schwächerer Dollar.
Mehr Luft für Edelmetalle.
Genau deshalb dürfte die Veröffentlichung volatil werden.
Aber daraus eine Gleichung zu machen:
guter CPI = Silber 70
schlechter CPI = Silber 50
wäre unseriös.
Märkte reagieren auf:
die Abweichung von Erwartungen,
Positionierung,
Liquidität,
Dollar,
Anleiherenditen,
Optionen,
und darauf, was bereits eingepreist ist.
Gold steht derzeit ungefähr bei 4.194 Dollar.
Silber bei rund 60,8 Dollar.
Damit ergibt sich eine Ratio von:
Historisch wird häufig ein Wert um 60 als Vergleich herangezogen.
Daraus könnte man schließen:
Silber sei relativ zu Gold günstig.
Aber Vorsicht.
Noch Anfang dieses Jahres fiel die Gold-Silber-Ratio zeitweise unter:
50.
Damals war Silber über 100 Dollar gestiegen. The Silver Institute
Die Ratio kann Jahrzehnte lang in völlig unterschiedlichen Bereichen liegen.
Sie sagt deshalb etwas darüber, wie zwei Metalle relativ zueinander bewertet werden.
Sie sagt nicht:
welches Metall morgen steigt.
Nicht:
60 Dollar.
Nicht:
Sondern:
So groß soll 2026 das Defizit auf dem weltweiten Silbermarkt ausfallen. The Silver Institute
Das bedeutet:
Die Nachfrage soll erneut größer sein als das neu verfügbare Angebot.
Bereits zum:
Das ist keine CPI-Geschichte.
Für Münzen und Barren erwartet das Silver Institute:
Auf:
227 Millionen Unzen. The Silver Institute
Das Angebot soll dagegen lediglich um:
1,5 %
steigen.
Das ist grundsätzlich eine interessante Konstellation.
Aber auch hier gilt:
Defizite können durch vorhandene Lagerbestände ausgeglichen werden.
Und hohe Preise verändern Nachfrage.
Hier ist ein wichtiger Gegenpunkt zur allgemeinen Silber-Euphorie.
Silber wird in:
Elektronik,
Autos,
Solartechnik,
Rechenzentren,
Stromnetzen
und vielen weiteren Anwendungen gebraucht.
KI und Rechenzentren schaffen neue Nachfrage.
Aber gleichzeitig passiert etwas anderes:
Und Unternehmen reagieren auf hohe Preise.
Sie sparen Material.
Sie entwickeln neue Produktionsverfahren.
Sie ersetzen Silber teilweise.
Besonders deutlich sieht man das in der Solarindustrie.
Weltweit werden weiterhin mehr Solaranlagen installiert.
Trotzdem erwartet das Silver Institute 2026 einen Rückgang der industriellen Silberverarbeitung um:
Auf etwa:
650 Millionen Unzen. The Silver Institute
Der Hauptgrund:
Thrifting und Substitution in Photovoltaik.
Damit entsteht ein faszinierender Wettbewerb.
KI.
Rechenzentren.
Elektrifizierung.
Autos.
Netzinfrastruktur.
Investmentnachfrage.
Thrifting.
Substitution.
Recycling.
Preissensitivität.
Und genau da entscheidet sich langfristig wesentlich mehr als an einem einzigen Mittwoch.
Gold wird überwiegend als monetärer beziehungsweise investiver Vermögenswert wahrgenommen.
Silber ist anders.
Es ist gleichzeitig:
und:
Wenn Anleger Angst vor Inflation oder Währungsrisiken haben, kann Silber profitieren.
Wenn gleichzeitig die Industrie schwächelt oder Material ersetzt, kann Silber Gegenwind bekommen.
Und deshalb ist Silber häufig:
Denn kurzfristig treffen mehrere Dinge gleichzeitig aufeinander.
US-CPI am Mittwoch.
Beige Book am selben Tag.
Produzentenpreise am Donnerstag.
Fed-Sitzung Ende Oktober.
Zehnjährige Treasury-Renditen oberhalb von fünf Prozent.
Und Silber genau an einer psychologisch wichtigen Marke.
Das ist eine Kombination, aus der durchaus kräftige Kursbewegungen entstehen können.
Genau das ist der Punkt, den man bei all der kurzfristigen Aufregung nicht vergessen sollte.
Am Mittwoch kann der Silberpreis:
steigen.
fallen.
vielleicht sogar sehr stark.
Aber die Veröffentlichung verändert nicht unmittelbar:
die Zahl der Silberminen,
die Produktionsmenge,
die Lagerbestände,
die Solar-Technologie,
die Nachfrage nach Elektrifizierung
oder die physische Investmentnachfrage.
Inflation.
Fed.
Dollar.
Renditen.
Charttechnik.
Angebot.
Minenproduktion.
Recycling.
Industrie.
Substitution.
Investmentnachfrage.
Und:
sechs Defizitjahre hintereinander.
Beide sind wichtig.
Aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Wer Silber kauft, weil er glaubt:
Mittwoch kommt eine gute Inflationszahl und Silber steigt auf 70 Dollar,
macht letztlich eine kurzfristige Spekulation.
Wer Silber als Teil eines Edelmetallbestandes hält, stellt andere Fragen.
Wie entwickelt sich das Angebot?
Wie stark bleibt die industrielle Nachfrage?
Wie wichtig wird Silber in Elektrifizierung und Digitalisierung?
Wie viel physische Investmentnachfrage entsteht?
Und:
Vielleicht ist genau das die wichtigste Aussage.
Silber besitzt ähnliche monetäre Eigenschaften.
Aber zusätzlich eine große industrielle Komponente.
Deshalb sollte man Silber nicht einfach mit Gold multiplizieren oder eine Gold-Silber-Ratio als Preisziel verwenden.
Das Metall besitzt seine eigene Geschichte.
Und die kann wesentlich wilder sein.
Aber nicht, ob Silber langfristig knapp bleibt.
Diese Frage wird an ganz anderen Orten entschieden:
in Minen,
in Fabriken,
in Solarzellen,
in Rechenzentren,
in Recyclinganlagen
und in den Tresoren von Anlegern.
Vielleicht lautet deshalb die interessanteste Frage nicht:
Sondern:
Genau dort liegt die langfristige Silbergeschichte.
Bleiben Sie weitsichtig.
Ihr
Helge Peter Ippensen