Mahsa Doorfard von coinIX spricht mit Spargold über DeFi, KI, Tokenisierung und Blockchain. Warum AI die Technologie endlich unsichtbar – und damit massentauglich – machen könnte:
https://youtu.be/KLyx2BdSilc?si=LEBif60pA4xPtYeF
Jahrelang hieß es:
Web3.
DeFi.
NFTs.
Metaverse.
Immer wieder sollte der große Durchbruch unmittelbar bevorstehen.
Und dann?
Krypto-Winter.
Pleiten.
Regulierung.
Enttäuschte Anleger.
Viele Projekte verschwanden.
Doch vielleicht haben wir die ganze Zeit auf die falsche Art von Massenadoption gewartet.
Vielleicht wird Blockchain nicht erfolgreich, wenn Millionen Menschen lernen, was:
Wallets,
Private Keys,
Gas Fees,
Bridges
und Smart Contracts
sind.
Sondern genau dann, wenn sie all das nicht mehr wissen müssen.
Und ausgerechnet:
könnte dafür der Schlüssel sein.
Darüber haben wir im aktuellen Spargold-Podcast mit Mahsa Doorfard gesprochen.
Ihre eigene Geschichte spiegelt einen erheblichen Teil der Entwicklung der Blockchain-Branche wider.
Geboren und aufgewachsen im Iran.
Mit 26 Jahren nach Deutschland gekommen.
Studium an der Universität Kiel.
Während der Corona-Zeit beginnt sie, sich intensiv mit Kryptowährungen und Blockchain zu beschäftigen.
Zunächst aus Interesse am Trading.
Dann kommt die entscheidende Erkenntnis:
Sie beginnt zu lernen.
Und macht etwas, das sich später als besonders wertvoll erweist:
Wenn sie etwas verstanden hat, erklärt sie es anderen.
Videos.
Artikel.
Content.
Denn wer etwas erklären muss, merkt sehr schnell, ob er es wirklich verstanden hat.
Auf einer Blockchain-Veranstaltung in Hamburg.
Es ist die Hochphase des damaligen Kryptozyklus.
Kapital ist reichlich vorhanden.
Neue Protokolle entstehen beinahe täglich.
DeFi verspricht, Finanzdienstleistungen neu aufzubauen.
Und Paycer versucht genau das.
Die ursprüngliche Paycer-Idee war bemerkenswert.
Dezentrale Finanzprotokolle sollten mit klassischen Bankdienstleistungen verbunden werden.
Der Nutzer sollte möglichst wenig von der technischen Komplexität dahinter bemerken.
Schon damals bestand eines der größten Probleme von DeFi nämlich nicht unbedingt darin, dass die Technologie nicht funktionierte.
Sondern:
Wallet installieren.
Seed Phrase sichern.
Blockchain auswählen.
Token kaufen.
Gas bezahlen.
Bridge verwenden.
Protokoll auswählen.
Smart Contract verstehen.
Für Krypto-Enthusiasten faszinierend.
Für den normalen Bankkunden?
Kaum massentauglich.
Ukrainekrieg.
Steigende Zinsen.
Sinkende Risikobereitschaft.
FTX.
Zusammenbruch mehrerer Krypto-Unternehmen.
Venture-Capital-Finanzierung trocknet aus.
Auch Paycer kommt an einen Punkt, an dem das Unternehmen nicht weiterfinanziert werden kann.
Im Podcast sprechen wir ziemlich offen darüber.
Über das schrumpfende Bankkonto.
Über gekürzte Gründergehälter.
Und schließlich über die Entscheidung, Mitarbeiter entlassen zu müssen.
Für ein Start-up ist das keine abstrakte Marktstatistik.
Es sind Menschen.
Und Mahsa beschreibt, dass sie damals nicht deshalb emotional wurde, weil sie einen Arbeitsplatz verlor.
Sondern weil eine Mannschaft auseinanderfiel, die sich wie eine Familie angefühlt hatte.
Vielleicht ist das eine der wertvollsten Lektionen aus dieser Zeit.
Ein Produkt kann technisch interessant sein.
Ein Markt kann enormes Potenzial besitzen.
Ein Team kann überzeugt sein.
Und trotzdem kann ein Unternehmen scheitern.
Denn zusätzlich braucht man:
Kapital.
Timing.
Regulierung.
Vertrieb.
Kunden.
Liquidität.
Partner.
Und manchmal schlicht:
Glück.
Diese Erkenntnis ist 2026 aktueller denn je.
coinIX ist eine Hamburger Beteiligungsgesellschaft für Blockchain- und Krypto-Investments.
Mahsa ist dort Sales and Marketing Manager.
Damit befindet sie sich heute auf der anderen Seite des Tisches.
Statt selbst bei einem Start-up Kapital zu suchen, sieht sie Pitch Decks von Teams, die Finanzierung möchten. coinIX
Und ihre Beobachtung ist interessant.
Der nächste große Begriff lautet häufig nicht mehr:
NFT.
Metaverse.
DeFi.
Sondern:
Viele frühere Blockchain-Entwickler arbeiten heute an AI.
Venture Capital fließt in AI.
Meetups drehen sich um AI.
Start-ups schreiben AI in ihre Präsentationen.
Das kennen wir.
Denn technologische Zyklen funktionieren häufig ähnlich.
Erst entsteht eine neue Technologie.
Dann:
Euphorie.
Dann werden nahezu sämtliche Probleme angeblich damit gelöst.
Dann folgt:
Enttäuschung.
Und erst danach entsteht die wirklich nützliche Infrastruktur.
Die Dotcom-Blase ist das klassische Beispiel.
Das Internet verschwand danach nicht.
Im Gegenteil.
Es wurde Infrastruktur.
Die erste Blockchain-Phase drehte sich stark darum, Blockchain sichtbar zu machen.
„Powered by Blockchain.“
„Web3.“
„On-chain.“
„Tokenized.“
Vielleicht ist die nächste Phase genau das Gegenteil.
Nicht technisch.
Sondern:
aus der Wahrnehmung des Nutzers.
Wer heute eine WhatsApp-Nachricht verschickt, beschäftigt sich nicht mit:
TCP/IP.
DNS.
Routing.
TLS.
Serverarchitektur.
APIs.
Man drückt:
Senden.
Der Rest passiert im Hintergrund.
Genau dieses Stadium hat Blockchain noch nicht vollständig erreicht.
Nils formuliert im Podcast eine interessante These:
Vielleicht wird AI die Benutzeroberfläche, die Blockchain bisher gefehlt hat.
Denn KI kann komplizierte technische Prozesse in natürliche Sprache übersetzen.
Heute kann ein Mensch ohne Programmiererfahrung bereits sagen:
„Erstelle mir eine Website.“
Oder:
„Verbinde diese Datenquelle mit meinem Dashboard.“
Und AI erledigt einen erheblichen Teil der technischen Arbeit.
Übertragen wir diese Entwicklung auf Finanzen.
Ein Nutzer könnte künftig sagen:
„Überweise meinem Lieferanten in Singapur 10.000 Euro möglichst schnell und günstig.“
Er müsste nicht entscheiden:
SWIFT?
Stablecoin?
Welche Blockchain?
Welcher Stablecoin?
Welche Wallet?
Welches Netzwerk?
Welche Bridge?
Welche Gebühr?
Der Agent könnte diese Entscheidung im Hintergrund treffen.
Nicht weil Milliarden Menschen Blockchain verstanden hätten.
Sondern weil:
Das ist bislang eine Hypothese.
Aber erste Anwendungen entstehen bereits.
AI-Agenten werden darauf vorbereitet, selbst Zahlungen auszuführen.
Stablecoins eignen sich dafür prinzipiell besonders gut, weil Software mit digital verfügbaren Zahlungsmitteln unmittelbar interagieren kann.
Noch stehen wir ganz am Anfang.
Aber die Kombination besitzt eine nachvollziehbare Logik:
AI entscheidet.
Blockchain dokumentiert und überträgt.
Smart Contracts führen aus.
Ein AI-Agent, der einen Text falsch formuliert, ist ärgerlich.
Ein AI-Agent, der:
10.000 Euro an die falsche Adresse sendet,
einen falschen Smart Contract ausführt,
einem bösartigen Protokoll Berechtigungen erteilt
oder eine falsche Handelsentscheidung trifft,
kann Geld vernichten.
Und Blockchain besitzt eine Eigenschaft, die in diesem Fall plötzlich zum Nachteil wird:
Eine falsche Banküberweisung lässt sich manchmal stoppen.
Eine endgültig ausgeführte Blockchain-Transaktion häufig nicht.
Deshalb braucht AI im Finanzbereich:
Berechtigungsgrenzen.
Kontrollen.
Identitätsprüfung.
Risikomanagement.
Compliance.
menschliche Freigaben.
Und zuverlässige technische Standards.
KI beseitigt die Komplexität also nicht.
Sie kann sie nur:
Das vielleicht Erstaunlichste an der aktuellen Blockchain-Entwicklung:
Sie passiert nicht mehr nur in der Kryptoindustrie.
Die EZB startete im September Pontes.
Damit können tokenisierte Finanztransaktionen in Zentralbankgeld abgewickelt werden. European Central Bank
Parallel arbeitet das Eurosystem mit Appia an einer langfristigen Infrastruktur für tokenisierte Finanzmärkte. European Central Bank
Das ist ein fundamentaler Wandel.
Die Frage lautet nicht mehr:
Sondern zunehmend:
BlackRock-Chef Larry Fink schreibt:
Aktien.
Anleihen.
Fonds.
Im Prinzip könne jeder Vermögenswert tokenisiert werden. BlackRock
Warum?
Weil Tokenisierung theoretisch:
Settlement beschleunigt,
Fractional Ownership ermöglicht,
Marktzeiten erweitert,
Abwicklungsprozesse automatisiert
und Transaktionen effizienter gestalten kann.
Aber auch Fink nennt eine entscheidende Hürde:
Denn Wertpapiere sind nicht einfach digitale Dateien.
Sie besitzen:
Eigentümer.
Rechte.
Pflichten.
Regulierung.
Steuern.
Geldwäschevorschriften.
Sanktionen.
Genau deshalb kann man ein Haus zwar technisch innerhalb weniger Minuten tokenisieren.
Aber damit sind die juristischen Fragen noch lange nicht erledigt.
Das klingt banal.
Ist aber entscheidend.
Ein Token ist eine digitale Repräsentation.
Sein Wert hängt davon ab, was rechtlich dahintersteht.
Besitze ich tatsächlich einen Miteigentumsanteil?
Eine Forderung?
Ein Wertpapier?
Oder lediglich einen Token eines Emittenten, der mir etwas verspricht?
Bei sogenannten Real World Assets ist deshalb nicht Blockchain die schwierigste Frage.
Sondern:
Nehmen wir einen Goldtoken.
Er kann innerhalb von Sekunden von Deutschland nach Singapur geschickt werden.
Technisch elegant.
Aber wo befindet sich:
Wer kontrolliert ihn?
Wer prüft ihn?
Wer verwahrt ihn?
Wer garantiert, dass er nicht doppelt verwendet wird?
Was passiert bei Insolvenz?
Wie kann der Token eingelöst werden?
Wer führt KYC durch?
Wer prüft Geldwäschevorschriften?
Die Blockchain löst diese Fragen nicht automatisch.
Wir machen aus dem Goldbarren nicht zwangsläufig einen handelbaren Kryptotoken.
Das Metall bleibt:
Physisch.
Geprüft.
Gelagert.
Versichert.
Im Hochsicherheitslager in Singapur. Spargold
Digitale Technologie übernimmt die Verwaltung.
Und Blockchain kann im Hintergrund eine andere Aufgabe erfüllen.
Nicht:
Spekulation.
Sondern:
Und gerade deshalb vielleicht ein gutes.
Nils beschreibt im Podcast, wie Daten zu einem physischen Barren kryptografisch abgesichert werden können.
Foto.
Barreninformationen.
Prüfdaten.
Metadaten.
Daraus entsteht ein digitaler Fingerabdruck:
ein Hash.
Dieser kann auf einer öffentlichen Blockchain verankert werden.
Ändert später jemand die ursprünglichen Daten, stimmt der Fingerabdruck nicht mehr.
Keine Meme Coins.
Kein 100x-Versprechen.
Kein NFT-Bild.
Nur:
Vielleicht sieht echte Massenadoption genau so aus.
Wenn Sie heute mit einer Kreditkarte zahlen, interessiert Sie vermutlich nicht, welche Clearing-Infrastruktur im Hintergrund arbeitet.
Wenn Sie mit Ihrem Smartphone navigieren, denken Sie nicht über GPS-Satellitenprotokolle nach.
Wenn Sie ein Foto in die Cloud laden, beschäftigen Sie sich nicht mit dem verwendeten Datenbankcluster.
Warum sollte es bei Blockchain anders sein?
Sie wird selbstverständlich.
Die großen Hype-Zyklen sind kleiner geworden.
Viele Krypto-Events verschwanden.
DeFi ist weniger spektakulär.
NFTs dominieren keine Schlagzeilen mehr.
Aber gleichzeitig:
entwickelt die EZB tokenisierte Abwicklungssysteme,
beschäftigt sich BlackRock mit tokenisierten Vermögenswerten,
nutzen institutionelle Investoren Blockchain-Produkte,
existieren regulierte Kryptofonds,
und Stablecoins werden zunehmend für reale Zahlungsprozesse untersucht.
Vielleicht ist deshalb weniger Hype gar kein schlechtes Zeichen.
Vielleicht ist es:
Nicht:
„Kauft Krypto.“
Sondern sinngemäß:
Auch gegenüber KI.
Auch gegenüber Blockchain.
Man muss nicht in eine Technologie investieren, um sie zu verstehen.
Und gerade wenn eine Technologie Angst macht, kann Wissen helfen, Risiken realistischer einzuschätzen.
Das ist eine erstaunlich nüchterne Botschaft für eine Branche, die jahrelang von extremen Narrativen gelebt hat.
Nicht mit:
einem neuen Coin.
Nicht mit:
einem neuen NFT-Hype.
Und vielleicht auch nicht mit:
einem neuen Bullrun.
Sondern mit Infrastruktur.
AI.
Tokenisierung.
Regulierung.
Stablecoins.
Zentralbankgeld.
Automatisierung.
Und Anwendungen, bei denen irgendwann niemand mehr fragt:
Denn genau dann wäre die Technologie möglicherweise dort angekommen, wo das Internet längst ist.
Im Hintergrund.
Unsichtbar.
Und unverzichtbar.
Bleiben Sie weitsichtig.
Ihr
Helge Peter Ippensen