
In Silber investieren: Industrie, Angebot und Risiken
Wer in Silber investieren möchte, kauft ein Metall mit zwei Gesichtern: Es dient als Wertaufbewahrungsmittel und ist zugleich ein wichtiger Rohstoff für Solarzellen und Elektronik. Diese Seite erklärt, woher die Nachfrage kommt, was hinter dem viel zitierten Angebotsdefizit steckt und welche Nachteile Silber gegenüber Gold hat. Vergangene Entwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft.
Wofür wird Silber gebraucht?
Silber leitet Strom und Wärme besser als jedes andere Metall. Deshalb steckt es in Solarzellen, elektrischen Kontakten, Leiterplatten und Fahrzeugelektronik. Laut World Silver Survey 2026 des Silver Institute lag die weltweite Silbernachfrage 2025 bei 1,13 Milliarden Unzen, 2 % weniger als im Vorjahr.
Davon entfielen 657,4 Millionen Unzen auf die Industrie, ein Rückgang um 3 %. Die Industrie macht damit rund 58 % der gesamten Nachfrage aus. Der Rest verteilt sich auf Schmuck, Silberwaren sowie Barren und Münzen. Diese Mischung unterscheidet Silber grundlegend von Gold, das überwiegend als Schmuck und Wertanlage gekauft wird.
Photovoltaik: großer Abnehmer mit Gegenwind
Die Solarindustrie ist der größte einzelne Industrieabnehmer. 2025 verbrauchte sie laut World Silver Survey 186,6 Millionen Unzen, 6 % weniger als im Vorjahr. Das sind rund 28 % der industriellen Silbernachfrage.
Der Rückgang hat einen klaren Grund: Silberpaste macht etwa 10 bis 20 % der Kosten einer Solarzelle aus. Bei hohen Silberpreisen sparen Hersteller deshalb Silber ein oder ersetzen es teilweise durch andere Materialien. Für 2026 erwartet das Silver Institute einen weiteren Rückgang der Photovoltaik-Nachfrage um rund 19 %. Mehr Solaranlagen bedeuten also nicht automatisch mehr Silberverbrauch.
Elektronik, Stromnetze und Rechenzentren
Die Nachfrage aus Elektrik und Elektronik sank 2025 laut Silver Institute um 2 %. Wachstum sieht das Institut beim Ausbau der Stromnetze, in der Fahrzeugelektronik und bei Rechenzentren für künstliche Intelligenz.
Nach Einschätzung des Silver Institute gleichen diese Bereiche den Rückgang in der Photovoltaik bisher nicht aus. Die Industrienachfrage hängt damit stark von Technologieentscheidungen einzelner Branchen ab – und von der Konjunktur.
Wie belastbar ist das Angebotsdefizit?
2025 lag die Nachfrage das fünfte Jahr in Folge über dem Angebot. Das Defizit betrug laut World Silver Survey 40,3 Millionen Unzen. Gleichzeitig stieg das Minenangebot um 3 % auf 846,6 Millionen Unzen, das Recycling um 2 % auf 197,6 Millionen Unzen.
Für 2026 schätzt das Silver Institute ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen. Im Februar 2026 hatte es noch rund 67 Millionen Unzen erwartet. Solche Schätzungen ändern sich also deutlich. Ein Defizit bedeutet zudem nicht, dass Silber knapp wird: Es wird aus vorhandenen oberirdischen Beständen gedeckt. Ein bestimmter Preis lässt sich daraus nicht ableiten.
Silber schwankt stärker als Gold
Der Silbermarkt ist deutlich kleiner als der Goldmarkt. Im Londoner Handel wurden im Juni 2026 laut LBMA täglich Silber im Wert von 12,9 Milliarden US-Dollar übertragen, bei Gold waren es 70,9 Milliarden US-Dollar. Kleinere Märkte reagieren stärker auf Zu- und Abflüsse.
Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahrzehnte lag die annualisierte Schwankung bei Silber bei rund 29 %, bei Gold bei rund 16 % (Auswertung von BullionVault). Silber kann in kurzer Zeit stark steigen, aber ebenso stark fallen. Derselbe Betrag in Silber führt im Depot daher meist zu deutlich größeren Ausschlägen als in Gold.
Mehrwertsteuer: der Kostennachteil in Deutschland
Die Umsatzsteuerbefreiung für Anlagegold nach § 25c UStG gilt nur für Gold. Auf Silberbarren fällt in Deutschland der Regelsatz von 19 % an (§ 12 UStG). Der Silberpreis muss also erst um diesen Aufschlag steigen, bevor Sie beim Verkauf ohne Verlust dastehen.
Ein Ausweg ist die Lagerung in einem Zollfreilager außerhalb der EU. Spargold lagert Silber im Zollfreilager „The Reserve“ in Singapur. Solange das Metall dort bleibt, ist der Kauf laut Spargold mehrwertsteuerfrei. Für Gewinne gilt wie bei Gold § 23 EStG: Nach mehr als einem Jahr Haltedauer sind sie steuerfrei.


