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China baut eine Gold-Brücke für den Yuan – Angriff auf den Dollar?

Titelbild zum Artikel: China baut eine Gold-Brücke für den Yuan – Angriff auf den Dollar?

China baut keine Goldwährung – aber eine Gold-Brücke für den Yuan

89 Prozent gegen 8,5 Prozent.

So ungefähr lautet das derzeitige Kräfteverhältnis am internationalen Devisenmarkt.

Der US-Dollar steht auf einer Seite von rund 89 Prozent aller weltweiten Devisengeschäfte.

Der chinesische Renminbi:

ungefähr 8,5 Prozent.

Noch deutlicher sieht es bei den weltweiten Devisenreserven aus.

Dollar:

56,7 Prozent.

Renminbi:

2,1 Prozent.

Wer daraus schließt, China werde den Dollar in Kürze als Weltleitwährung ablösen, braucht sehr viel Fantasie.

Und trotzdem passiert gerade etwas, das ich für ausgesprochen interessant halte.

Denn China baut keine neue Goldwährung.

China baut:

eine Infrastruktur, in der Yuan und physisches Gold immer enger zusammenrücken.

Hongkong wird zum Goldknotenpunkt

Seit dem 7. Juli läuft in Hongkong ein neues zentrales Clearing- und Settlement-System für Gold.

Das klingt zunächst technisch.

Ist aber strategisch bedeutsam.

Goldbestände können zentral erfasst werden.

Physische Ein- und Auslieferungen werden mit dem System verbunden.

Banken können Handelsgeschäfte gegeneinander abrechnen.

Und über den sogenannten „Delivery Connect“ wird diese Infrastruktur direkt mit der Shanghai Gold Exchange verbunden.

Die ersten physischen Zwei-Wege-Transfers haben bereits stattgefunden.

Das ist keine Zukunftsvision mehr.

Die technische Infrastruktur existiert.

Der entscheidende Punkt ist die Verbindung nach Shanghai

China besitzt einen der größten physischen Goldmärkte der Welt.

Dieser Markt war historisch stark auf das chinesische Festland konzentriert.

Hongkong verändert das.

Bereits 2025 richtete die Shanghai Gold Exchange dort ihre erste physische Lieferstelle außerhalb Festlandchinas ein.

Und dazu kamen:

Yuan-denominierte Goldkontrakte.

Das ist entscheidend.

Denn plötzlich kann ein internationales Institut Gold in einem Offshore-Finanzzentrum handeln und physisch liefern lassen – innerhalb einer Infrastruktur, die direkt mit dem chinesischen Goldmarkt verbunden ist.

Hongkong will diese Infrastruktur massiv ausbauen

Nach Angaben von S&P Global soll die entsprechende Goldlagerkapazität in den kommenden Jahren von ungefähr:

150 Tonnen

auf:

mehr als 2.000 Tonnen

steigen.

Das wäre ungefähr die Größenordnung der gesamten offiziell gemeldeten chinesischen Zentralbankreserven.

Wenn dieses Ziel tatsächlich umgesetzt und die Infrastruktur ausreichend liquide wird, wäre Hongkong plötzlich ein wesentlich bedeutenderer globaler Goldplatz.

Und vor allem:

ein Goldplatz mit enger Verbindung zum Renminbi.

Gleichzeitig kauft China Gold

Im September meldete die chinesische Zentralbank erneut einen erheblichen Zukauf.

Rund:

23 Tonnen.

Damit stiegen die offiziell ausgewiesenen chinesischen Goldreserven auf ungefähr:

2.410 Tonnen.

Es war bereits der:

23. Monat in Folge

mit höheren gemeldeten Goldbeständen.

Das ist strategisch zumindest bemerkenswert.

China baut:

Goldreserven,

Goldhandel,

Goldlagerung

und Goldabwicklung

gleichzeitig aus.

Bedeutet das einen neuen Goldstandard?

Nein.

Und das ist eine sehr wichtige Unterscheidung.

Bei einem klassischen Goldstandard besitzt eine Währung eine definierte Verbindung zum Gold.

Beispielsweise:

Eine bestimmte Menge Währung kann gegen eine festgelegte Menge Gold eingetauscht werden.

Genau das gibt es beim Renminbi derzeit nicht.

Der Yuan ist:

nicht goldgedeckt.

Auch der digitale Yuan ist nicht goldgedeckt.

Es gibt keine generelle staatliche Zusage:

„Geben Sie uns X Yuan und wir liefern Ihnen Y Gramm Gold.“

Wer etwas anderes behauptet, geht über die Fakten hinaus.

Aber vielleicht braucht China genau das gar nicht

Hier wird es meines Erachtens wesentlich interessanter.

Stellen wir uns einen Rohstoffexporteur vor.

Er verkauft Waren nach China.

China möchte ihn in Renminbi bezahlen.

Dann stellt sich für den Exporteur eine einfache Frage:

Was mache ich anschließend mit den Yuan?

Genau hier liegt seit Jahren eines der Probleme der chinesischen Währung.

Mit Dollar kann man fast überall:

Waren kaufen,

Anleihen erwerben,

Kredite vergeben,

Investitionen tätigen,

Währungen tauschen.

Der Dollar besitzt einen gigantischen globalen Finanzmarkt.

Der Renminbi nicht.

Was aber, wenn Yuan einfacher gegen Gold getauscht werden können?

Dann verändert sich die Rechnung.

Nicht, weil der Yuan plötzlich selbst Gold wäre.

Sondern weil ein Empfänger eine zusätzliche Möglichkeit bekommt:

Ware verkaufen.

Yuan erhalten.

Yuan in Gold tauschen.

Gold physisch liefern beziehungsweise verwahren lassen.

Damit würde Gold zu einer Art:

Brücke aus dem Renminbi.

S&P-Analyst Charles Chang beschreibt genau diesen möglichen Mechanismus.

Wenn ein Handelspartner weiß, dass erhaltene Renminbi unkompliziert in physisches Gold umgewandelt werden können, kann dies die Bereitschaft erhöhen, überhaupt Zahlungen in Renminbi zu akzeptieren.

Das ist kein Goldstandard.

Aber es könnte strategisch ausgesprochen wirkungsvoll sein.

Denn China muss den Dollar möglicherweise gar nicht „stürzen“

Vielleicht ist diese ganze Diskussion falsch gestellt.

Die relevante Frage lautet möglicherweise nicht:

Wann ersetzt der Yuan den Dollar?

Sondern:

Bei wie vielen Geschäften wird der Dollar überhaupt noch benötigt?

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Ein afrikanisches Unternehmen handelt mit China.

Warum muss dazwischen zwingend ein Dollar stehen?

Ein arabischer Rohstofflieferant verkauft nach China.

Warum muss der Vertrag zwingend in Dollar abgewickelt werden?

Ein asiatisches Unternehmen bezahlt einen chinesischen Lieferanten.

Warum braucht es dafür amerikanische Banken?

Wenn immer mehr dieser Transaktionen direkt in Renminbi abgewickelt werden, verliert der Dollar an einer bestimmten Stelle Bedeutung – selbst wenn er insgesamt noch Jahrzehnte Weltleitwährung bleibt.

Genau dafür baut China CIPS

Das Cross-Border Interbank Payment System – CIPS – ist die chinesische Infrastruktur für grenzüberschreitende Renminbi-Zahlungen.

Das Netzwerk expandiert.

Im Oktober kündigte etwa die afrikanische Ecobank-Gruppe ihre Anbindung an.

Sie ist in 34 afrikanischen Staaten tätig.

Weitere afrikanische Banken sind bereits angebunden oder planen einen Anschluss.

Das ist keine Revolution über Nacht.

Aber es zeigt, wie finanzielle Infrastruktur entsteht:

Bank für Bank.

Land für Land.

Transaktion für Transaktion.

CIPS ist allerdings kein zweites SWIFT

Diese Unterscheidung ist wichtig.

SWIFT übermittelt in erster Linie Zahlungsnachrichten.

Die eigentliche Abwicklung erfolgt anschließend über Banken und Zahlungssysteme.

CIPS kombiniert Nachrichten mit Clearing- und Settlement-Funktionen für Renminbi.

Deshalb können beide Systeme nicht einfach wie zwei identische Autobahnen verglichen werden.

Aber CIPS kann eines ermöglichen:

weniger Abhängigkeit von klassischen dollarzentrierten Korrespondenzbanken.

Und genau das ist strategisch relevant.

Dann kommt der digitale Yuan

China baut parallel den e-CNY auf.

Auch hier wird häufig zu viel hineininterpretiert.

Der digitale Yuan ist:

digitales Zentralbankgeld.

Er ist:

kein Bitcoin.

kein Stablecoin.

und:

nicht goldgedeckt.

Aber er kann Teil einer Infrastruktur werden, in der Zentralbanken direkt miteinander digitales Zentralbankgeld übertragen.

Genau damit beschäftigt sich mBridge

mBridge verbindet mehrere Zentralbanken in einem gemeinsamen technischen System für grenzüberschreitende Zahlungen.

China und Hongkong gehören zu den zentralen Teilnehmern.

Das Ziel:

schnellere direkte Abwicklung zwischen unterschiedlichen Zentralbankwährungen.

Damit kann in bestimmten Transaktionen die klassische Kette:

lokale Bank → Korrespondenzbank → Dollar → nächste Korrespondenzbank

verkürzt werden.

Auch hier gilt:

Das bedeutet nicht:

Dollar abgeschafft.

Es bedeutet:

Dollar für diese Transaktion möglicherweise nicht erforderlich.

Und dann kommt Gold hinzu

Damit entstehen drei Ebenen.

Erstens:

Zahlungsinfrastruktur

CIPS.

mBridge.

digitaler Yuan.

Zweitens:

Handels- und Finanzwährung

Renminbi.

Drittens:

physischer neutralerer Vermögenswert

Gold.

Diese Kombination ist wesentlich interessanter als die Vorstellung einer neuen BRICS-Goldmünze.

Denn sie kann schrittweise wachsen.

Ohne eine neue Weltwährung.

Ohne großen Neustart.

Ohne einen Tag X.

Trotzdem bleibt der Dollar gigantisch dominant

Das sollte bei allen De-Dollarization-Geschichten nie fehlen.

Die aktuelle BIS-Erhebung zeigt:

US-Dollar:

rund 89 Prozent

der weltweiten Devisentransaktionen auf mindestens einer Seite.

Renminbi:

rund 8,5 Prozent.

Und bei Zentralbank-Devisenreserven:

Dollar:

56,7 Prozent.

Renminbi:

2,1 Prozent.

Das ist kein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Nicht einmal annähernd.

Der Renminbi hat ein viel fundamentaleres Problem

Vertrauen.

Oder präziser:

freie Verfügbarkeit des Kapitals.

China kontrolliert Kapitalbewegungen.

Wer Milliarden in Dollar hält, weiß grundsätzlich, dass er diese auf tiefen internationalen Kapitalmärkten investieren und weitgehend frei bewegen kann.

Beim Renminbi gelten andere Regeln.

China möchte gleichzeitig:

seine Währung internationalisieren,

aber Kapitalbewegungen kontrollieren.

Das ist ein struktureller Widerspruch.

Gold könnte dieses Problem teilweise umgehen – aber nicht lösen

Ein ausländischer Handelspartner könnte sagen:

Ich vertraue nicht darauf, meine gesamten Überschüsse langfristig in Renminbi zu halten.

Aber:

Wenn ich die erhaltenen Yuan problemlos in Gold tauschen kann, bin ich eher bereit, die Rechnung zunächst in Yuan abzuwickeln.

Das wäre ein cleverer Mechanismus.

Der Yuan muss dann nicht sofort zum perfekten Reservevermögen werden.

Er muss zunächst nur:

als Transaktionswährung akzeptiert werden.

Gold könnte danach den Wertspeicher übernehmen.

Vielleicht ist genau deshalb Gold strategisch so interessant

Gold gehört:

keinem Staat.

keiner Zentralbank.

keinem Unternehmen.

Es besitzt:

kein klassisches Emittentenrisiko.

Eine US-Staatsanleihe ist eine Forderung gegen die USA.

Eine chinesische Staatsanleihe ist eine Forderung gegen China.

Ein Bankguthaben ist eine Forderung gegen eine Bank.

Physisches Gold dagegen:

ist keine Forderung gegenüber einem Schuldner.

Genau deshalb kann Gold plötzlich zwischen konkurrierenden Währungssystemen interessant werden.

Das ist eine bemerkenswerte Wendung

Jahrzehntelang galt Gold vielen Ökonomen als:

Relikt.

Unproduktiver Vermögenswert.

Überbleibsel alter Geldordnungen.

Doch gleichzeitig bauen Zentralbanken ihre Goldbestände wieder aus.

China kauft.

Polen kauft.

Andere Zentralbanken diversifizieren.

Und China baut nun zusätzlich eine moderne digitale Finanzinfrastruktur rund um einen Vermögenswert auf, der seit Jahrtausenden physisch existiert.

Digitales Settlement trifft physisches Gold.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte.

Bedeutet das das Ende des Fiat-Geldsystems?

Nein.

Zumindest gibt es dafür derzeit keinerlei Beweis.

Dollar.

Euro.

Renminbi.

Yen.

Sie bleiben Fiat-Währungen.

Auch Zentralbankgeld wird durch mehr Goldhandel nicht automatisch goldgedeckt.

Ein viel plausibleres Szenario ist:

Das internationale Währungssystem wird fragmentierter.

Der Dollar bleibt dominant.

Aber neben ihm entstehen immer mehr:

regionale Zahlungswege,

direkte Währungspaare,

digitale Settlement-Systeme,

Goldmärkte

und alternative Reservevermögen.

Nicht:

Dollar oder Yuan.

Sondern:

Dollar plus Euro plus Yuan plus Gold plus neue Zahlungssysteme.

Und möglicherweise ist gerade Gold der überraschende Gewinner

Denn konkurrierende Staaten können sich darüber streiten:

welcher Währung sie vertrauen.

Dollar?

Euro?

Yuan?

Aber ein Goldbarren stellt diese Frage nicht.

Er ist nicht amerikanisch.

Nicht chinesisch.

Nicht europäisch.

Sein Preis schwankt.

Er zahlt keine Zinsen.

Seine Lagerung kostet Geld.

Aber politisch und bilanziell besitzt er eine Besonderheit:

Er ist ein Vermögenswert ohne korrespondierenden Schuldner.

Und vielleicht erklärt genau das, warum Gold in einer immer digitaleren und geopolitisch fragmentierteren Finanzwelt nicht verschwindet.

Sondern wieder wichtiger wird.

Die größte Gefahr liegt deshalb vielleicht in der falschen Frage

„Wann stürzt China den Dollar?“

Klingt spektakulär.

Aber wahrscheinlich passiert Geldgeschichte anders.

Nicht an einem Tag.

Sondern langsam.

Ein Rohstoffvertrag wird in Yuan statt Dollar abgeschlossen.

Eine afrikanische Bank tritt CIPS bei.

Ein neuer Goldtresor entsteht in Hongkong.

Ein Zentralbankkonto wird digital verbunden.

Ein Goldbarren wird über Shanghai physisch geliefert.

Jede einzelne Transaktion wirkt unbedeutend.

Bis irgendwann eine neue Infrastruktur existiert.

Deshalb lautet für mich die entscheidende Frage nicht:

Wird der Yuan die neue Weltleitwährung?

Sondern:

Wie viele Geschäfte können künftig ohne den Dollar funktionieren?

Und welche Rolle spielt dabei ein Vermögenswert, der älter ist als jede heute existierende Papierwährung?

Gold.

Vielleicht erleben wir gerade keinen neuen Goldstandard.

Aber möglicherweise erleben wir:

die Rückkehr von Gold als Brücke zwischen Währungssystemen.

Das wäre bereits bemerkenswert genug.

Bleiben Sie weitsichtig.
Ihr
Helge Peter Ippensen

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung sowie keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Edelmetallen oder Finanzinstrumenten dar.

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