
Öl: stark gestiegen.
Gold: zeitweise unter 4.000 Dollar.
Und gleichzeitig:
Tech-Aktien unter Druck.
Anleger suchen Sicherheit.
US-Staatsanleihen steigen.
Eigentlich wäre das genau die Situation, in der man erwarten könnte:
Doch genau das passiert derzeit nicht.
Stattdessen hat das Edelmetall seit seinem Rekordhoch im Januar rund ein Viertel seines Wertes verloren.
Was ist da los?
Die Antwort führt über einen Vermögenswert, den viele Goldanleger zunächst gar nicht auf dem Radar haben:
Brent notiert aktuell wieder bei rund:
115 Dollar je Barrel.
Am Freitag waren es zeitweise sogar fast 117 Dollar.
Neue Spannungen im Nahen Osten und Angriffe auf saudische Energieinfrastruktur haben die Sorge vor Lieferausfällen zurückgebracht.
Und hohe Ölpreise haben eine unangenehme Eigenschaft.
Sie wirken fast überall.
Transport.
Chemie.
Produktion.
Landwirtschaft.
Flugverkehr.
Heizung.
Logistik.
Wenn Energie teurer wird, steigt der Inflationsdruck.
Die Kette sieht momentan ungefähr so aus:
führt zu:
Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit:
Damit steigen:
Und plötzlich bekommt Gold Konkurrenz.
Denn ein Goldbarren zahlt:
Eine zehnjährige US-Staatsanleihe dagegen schon.
Je höher sichere Renditen steigen, desto höher werden die Opportunitätskosten einer Goldposition.
Im September erhöhte die amerikanische Zentralbank ihren Leitzins um:
25 Basispunkte
auf:
Am 27. und 28. Oktober kommt die Fed erneut zusammen.
Für diese Sitzung erwartet der Markt überwiegend:
keine weitere Erhöhung.
Doch für Dezember lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung zuletzt bei ungefähr:
77 Prozent.
Damit besitzt jeder größere Ölpreissprung momentan eine geldpolitische Dimension.
Das ist die eigentlich interessante Entwicklung.
Ein steigender Ölpreis bedeutet nicht unmittelbar:
Gold muss fallen.
Aber der Markt beginnt zu rechnen:
Was macht Öl mit der Inflation?
Was macht Inflation mit der Fed?
Was macht die Fed mit den Renditen?
Was machen die Renditen mit Gold?
Deshalb wirkt Öl derzeit wie ein Hebel auf den Goldpreis.
Denn Gold besitzt keinen einzelnen Preisbestimmer.
Der World Gold Council hat die September-Korrektur untersucht.
Gold verlor im September:
Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um:
53 Basispunkte
auf:
5,3 Prozent.
Der Dollar legte rund:
2 Prozent
zu.
Und Futures-Anleger bauten ihre Goldpositionen massiv ab.
Das zeigt:
Der Goldpreis reagiert gleichzeitig auf mehrere Kräfte.
Zinsen.
Dollar.
Risiko.
Positionierung.
Hinzu kommen:
ETF-Ströme.
Zentralbanken.
physische Nachfrage.
Momentum.
Liquidität.
Und natürlich geopolitische Entwicklungen.
Öl beeinflusst mehrere dieser Faktoren.
Aber Öl ist nicht der Puppenspieler, der Gold allein bewegt.
Brent fällt heute auf rund:
114,5 Dollar.
Gold steigt gleichzeitig wieder auf ungefähr:
4.010 Dollar.
Das passt hervorragend zum aktuellen Mechanismus.
Öl etwas schwächer.
Inflationsangst etwas geringer.
Zinsdruck etwas geringer.
Gold etwas höher.
Aber Vorsicht.
Ein Tag beweist keine dauerhafte Beziehung.
Stellen wir uns eine massive geopolitische Eskalation vor.
Öl steigt.
Aber gleichzeitig steigt die Angst vor Krieg, Finanzmarktstress und wirtschaftlicher Instabilität.
Dann kann durchaus passieren:
Weil der Sicherheitsbedarf plötzlich stärker ist als der Zinseffekt.
Genau deshalb gibt es keine einfache Regel:
Öl hoch = Gold runter.
Noch im September beobachtete der World Gold Council Goldstärke trotz:
höherer Zinsen,
steigender Renditen,
stärkerem Dollar
und erheblicher geopolitischer Risiken.
Der WGC vermutete damals eine ungewöhnlich breite strategische Nachfrage verschiedener Marktteilnehmer.
Märkte verändern ihre Reaktionsmuster.
Was gestern Gold belastete, kann morgen von einem stärkeren Faktor überlagert werden.
Hier kommt ein zweiter Mechanismus hinzu.
Und der ist besonders interessant.
Tech- und KI-Aktien gerieten unter Druck.
Bei kreditfinanzierten Positionen können Kursverluste sogenannte:
auslösen.
Der Broker verlangt zusätzliche Sicherheiten.
Und plötzlich muss ein Investor Liquidität beschaffen.
Was verkauft er?
Nicht unbedingt nur das, was schlecht läuft.
Sondern häufig:
Gold gehört dazu.
Aktien fallen.
Unsicherheit steigt.
Und der „sichere Hafen“ wird verkauft.
Aber genau so können Liquiditätskrisen funktionieren.
Gold ist wertvoll.
Gold ist liquide.
Also kann man es verkaufen, um Löcher an anderer Stelle zu schließen.
Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hält deshalb Zwangsverkäufe infolge von Margin Calls für einen möglichen Treiber des jüngsten Preisrutsches.
Auch die DZ Bank sieht Goldverkäufe zur Kompensation von Verlusten in Tech- und KI-Aktien.
Nein.
Es bedeutet vor allem:
Ein sicherer Hafen ist keine Anlage, deren Kurs jeden Tag steigt, an dem Aktien fallen.
Gold besitzt keine eingebaute mathematische Verpflichtung, negativ mit Aktien zu korrelieren.
Es kann in einer akuten Liquiditätskrise sogar gemeinsam mit Aktien fallen.
Die relevante Frage ist:
Das ist etwas vollkommen anderes.
Das sollte man nicht kleinreden.
Der World Gold Council nennt als Rekordpreis:
am:
29. Januar 2026.
Heute Morgen notiert Gold bei ungefähr:
4.010 Dollar.
Das entspricht einem Rückgang von ungefähr:
Wer im Januar gekauft hat, erlebt gerade einen erheblichen Verlust.
Gold ist eben:
Im September fiel Gold um:
8,5 Prozent.
Man könnte daraus schließen:
Die Anleger verlassen Gold.
Doch gleichzeitig flossen weltweit:
in Gold-ETFs.
Das entsprach ungefähr:
Wie passt das zusammen?
Während Futures-Händler Positionen abbauten, kauften ETF-Anleger.
Während kurzfristige Spekulanten Liquidität benötigten, können langfristige Anleger gerade fallende Kurse genutzt haben.
Der Markt besitzt eben nicht:
Er besteht aus völlig unterschiedlichen Akteuren.
Trader.
Fonds.
Privatanleger.
Versicherungen.
Family Offices.
Zentralbanken.
Alle mit unterschiedlichen Zeithorizonten.
Im August kauften die weltweit meldenden Zentralbanken netto:
China:
20 Tonnen.
Polen:
8 Tonnen.
Usbekistan:
8 Tonnen.
China legte im September sogar nochmals:
nach.
Der größte chinesische Monatskauf seit fast drei Jahren.
Das verhindert keinen fallenden Goldpreis.
Aber es zeigt:
Die strategische Nachfrage verschwindet nicht automatisch, nur weil Gold kurzfristig korrigiert.
Bank of America bezeichnet steigende Ölpreise derzeit als das:
Das Handelsblatt zitiert ein Szenario:
Sollte Brent aufgrund der geopolitischen Spannungen auf:
steigen, könnte Gold 2027 durchschnittlich nur noch bei:
liegen.
Das wäre nochmals ein erheblicher Rückgang.
Aber:
Das ist entscheidend.
Szenario eins:
Öl steigt wegen knappen Angebots.
Inflation steigt.
Fed erhöht Zinsen.
Renditen steigen.
Dollar steigt.
Genau darauf zielt das BofA-Szenario.
Aber Szenario zwei wäre ebenfalls denkbar.
Öl steigt auf 150 Dollar, weil ein großer Krieg eskaliert.
Finanzmärkte geraten unter Stress.
Staatsfinanzen verschlechtern sich.
Unsicherheit explodiert.
Welche Wirkung überwiegt?
Das entscheidet nicht der Ölpreis allein.
Nicht:
Sondern:
Und Gold reagiert auf dieses neue Gleichgewicht.
Das klingt weniger spektakulär.
Ist aber wesentlich genauer.
Wer physisches Gold besitzt, sollte unterscheiden zwischen:
und:
Der Preis kann in wenigen Monaten 25 Prozent fallen.
Das ist real.
Die Vermögensfunktion ist eine andere Frage.
Physisches Gold:
zahlt keinen Zins,
schwankt im Preis,
kostet Verwahrung.
Aber es ist gleichzeitig:
Es hängt nicht davon ab, ob eine Bank oder ein Unternehmen sein Zahlungsversprechen erfüllt.
Das ist eine strukturelle Eigenschaft.
Keine Kursprognose.
Er weiß auch nichts von:
Fed-Sitzungen.
Margin Calls.
Tech-Aktien.
KI-Bewertungen.
Dollarindizes.
Er bleibt:
eine bestimmte Menge physischen Goldes.
Sein Marktpreis kann stark schwanken.
Seine physische Menge nicht.
Am Mittwoch kann die Fed den Markt bewegen.
Am Donnerstag können neue Inflationsdaten den Markt bewegen.
Öl kann morgen wieder steigen.
Oder fallen.
Gold ebenso.
Wer eine kurzfristige Preiswette eingeht, muss genau diese Faktoren beobachten.
Wer Gold dagegen als langfristigen Bestandteil eines diversifizierten Vermögens betrachtet, stellt eine andere Frage:
Das sind zwei völlig verschiedene Strategien.
Gold ist kein magischer Krisenknopf.
Aktien fallen:
Gold steigt.
Inflation steigt:
Gold steigt.
Krieg beginnt:
Gold steigt.
So funktioniert die Welt nicht.
Märkte sind komplizierter.
Manchmal steigt Gold wegen Angst.
Manchmal fällt Gold wegen Zinsen.
Und manchmal wird Gold gerade in einer Krise verkauft:
Genau das macht die aktuelle Situation so interessant.
Der Ölpreis kann kurzfristig den Takt vorgeben.
Aber über die langfristige Rolle von Gold entscheidet nicht der Preis eines Barrels Brent.
Sondern die Frage:
Bleiben Sie weitsichtig.
Ihr
Helge Peter Ippensen
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung sowie keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Edelmetallen oder Finanzinstrumenten dar.