101 % des US-Bruttoinlandsprodukts.
So hoch wird die vom Publikum gehaltene US-Bundesschuld 2026 nach der aktuellen Projektion des Congressional Budget Office ausfallen.
Der historische Rekord?
106 % – im Jahr 1946.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
Damit bewegt sich die amerikanische Staatsverschuldung wieder in einer Größenordnung, die zuletzt nach einem globalen Krieg erreicht wurde.
Doch der Vergleich führt zunächst in die falsche Richtung.
Gemessen an der Wirtschaftsleistung stimmt die Größenordnung tatsächlich.
Aber die wirtschaftlichen Situationen könnten kaum unterschiedlicher sein.
1946 kamen die USA aus dem größten militärischen Konflikt ihrer Geschichte.
Die außergewöhnliche Verschuldung war Ergebnis einer außergewöhnlichen Mobilisierung.
Danach geschah etwas Entscheidendes:
Die Schuldenquote sank.
Wirtschaftswachstum, Inflation und zeitweise Haushaltsüberschüsse beziehungsweise kleinere Defizite reduzierten die Schuldenlast relativ zur Wirtschaftsleistung über Jahrzehnte erheblich.
2026 ist die Ausgangslage eine andere.
Die USA befinden sich nicht am Ende eines Weltkriegs.
Trotzdem prognostiziert das Congressional Budget Office für das laufende Haushaltsjahr ein Defizit von rund 1,9 Billionen Dollar beziehungsweise 5,8 % des BIP.
Noch bemerkenswerter ist die weitere Projektion.
Das CBO erwartet nicht, dass die Schuldenquote nach Erreichen dieses hohen Niveaus wieder sinkt.
Das Gegenteil ist der Fall.
| Jahr | Öffentlich gehaltene US-Schulden in % des BIP |
|---|---|
| 1946 | 106 % |
| 2026 | ca. 101 % |
| 2030 | ca. 108 % |
| 2036 | ca. 120 % |
| 2056 | ca. 175 % |
Unter den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen würde die Schuldenquote damit um 2030 den Rekord von 1946 überschreiten.
2036 wären es rund 120 %.
Und in der langfristigen CBO-Projektion erreicht die Quote 2056 rund 175 % des BIP.
Das ist der entscheidende Unterschied zur Nachkriegszeit.
Damals lag der Schuldenhöhepunkt hinter den USA. Heute könnte er noch vor ihnen liegen.
Die relative Verschuldung ist nur eine Seite der Geschichte.
Am 18. August 2026 überschritt die gesamte US-Bundesschuld erstmals 40 Billionen Dollar.
Davon entfielen rund 32,3 Billionen Dollar auf vom Markt gehaltene Treasury-Papiere und rund 7,8 Billionen Dollar auf Forderungen innerhalb des staatlichen Systems.
Die absolute Zahl allein sagt allerdings wenig über die Tragfähigkeit der Verschuldung aus.
Entscheidender sind Wirtschaftsleistung, Einnahmen und die Kosten der Finanzierung.
Und genau dort wird die Entwicklung interessant.
Nein.
Die Vereinigten Staaten verschulden sich in ihrer eigenen Währung.
Der Dollar bleibt die wichtigste internationale Reservewährung.
Der Markt für US-Staatsanleihen gehört weiterhin zu den größten und liquidesten Kapitalmärkten der Welt.
Das unmittelbare Problem lautet deshalb nicht:
Kann Amerika morgen seine 40 Billionen Dollar zurückzahlen?
Die wichtigere Frage lautet:
Was kostet es, diesen Schuldenberg dauerhaft zu finanzieren?
Über viele Jahre konnten die USA steigende Schulden zu historisch niedrigen Zinsen finanzieren.
Dieses Umfeld hat sich verändert.
Im August 2026 stiegen die langfristigen Renditen amerikanischer Staatsanleihen auf Niveaus, die seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr erreicht worden waren.
Die Rendite 30-jähriger Treasuries überschritt zeitweise 5 %.
Das klingt zunächst abstrakt.
Für einen Staat mit einem Schuldenberg von mehr als 40 Billionen Dollar ist der Unterschied zwischen niedrigen und hohen Refinanzierungszinsen jedoch gewaltig.
Das CBO erwartet, dass die Nettozinsausgaben von rund 3,3 % des BIP 2026 auf 4,6 % im Jahr 2036 steigen.
Damit beansprucht die Vergangenheit einen immer größeren Anteil zukünftiger Staatseinnahmen.
Nicht, weil steigende Staatsschulden automatisch steigende Goldpreise bedeuten.
Diese einfache Gleichung funktioniert nicht.
Gold reagiert gleichzeitig auf Realzinsen, Dollarentwicklung, Inflationserwartungen, geopolitische Risiken und die Geldpolitik der Federal Reserve.
Hohe Anleiherenditen können Gold sogar belasten.
Die Verbindung zwischen Staatsschulden und Gold liegt deshalb tiefer.
Eine US-Staatsanleihe ist für den Besitzer ein Vermögenswert.
Für die Vereinigten Staaten ist dieselbe Anleihe eine Schuld.
Eine Bankeinlage ist für den Kunden Vermögen.
Für die Bank ist sie eine Verbindlichkeit.
Physisches Gold funktioniert anders.
Es ist die Verbindlichkeit von niemandem.
Diese Eigenschaft scheint auch im internationalen Reservesystem wieder wichtiger zu werden.
Zentralbanken kauften allein im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold.
Der Hintergrund ist nicht allein die amerikanische Staatsverschuldung.
Diversifikation, geopolitische Risiken, Sanktionen und die Verringerung von Gegenparteirisiken spielen ebenfalls eine Rolle.
Es wäre deshalb falsch, aus den steigenden US-Schulden eine unmittelbar bevorstehende Flucht aus dem Dollar abzuleiten.
Der Dollar bleibt dominant.
Aber Zentralbanken diversifizieren.
Und Gold gehört zu den Profiteuren dieser Entwicklung.
Vielleicht ist deshalb nicht die Ähnlichkeit der beiden Jahre am interessantesten.
Sondern ihr Unterschied.
1946 lagen Weltkrieg und massive staatliche Mobilisierung hinter den USA.
Danach sank die Schuldenquote über Jahrzehnte.
2026 liegt die Quote wieder bei rund 101 % des BIP.
Doch das CBO prognostiziert keinen Rückgang.
Es prognostiziert:
108 % im Jahr 2030.
120 % im Jahr 2036.
175 % im Jahr 2056.
Natürlich sind langfristige Projektionen keine Vorhersagen. Steuerpolitik, Ausgaben, Wachstum, Inflation und Zinsen können die Entwicklung erheblich verändern.
Aber genau dafür sind solche Projektionen wertvoll:
Sie zeigen, wohin der derzeitige Kurs unter bestimmten Annahmen führt.
1946 war die hohe Verschuldung das Ergebnis einer außergewöhnlichen Krise. 2026 droht sie zum Normalzustand zu werden.
Und vielleicht ist genau das die Zahl, auf die Goldanleger achten sollten.
Nicht 40 Billionen.
Sondern 101 Prozent – mit steigender Tendenz.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen