

Der Goldpreis hat seit seinem Rekordhoch zu Jahresbeginn erheblich nachgegeben. Dennoch ist die weltweite Nachfrage nach dem Edelmetall nicht eingebrochen. Die aktuellen Zahlen des World Gold Council zeigen vielmehr einen Markt, in dem sich die einzelnen Käufergruppen sehr unterschiedlich verhalten.
Am 30. Juli 2026 wurde Gold am Spotmarkt im Tagesverlauf bei rund 4.077 US-Dollar je Feinunze gehandelt. Zu Jahresbeginn hatte der Preis zwischenzeitlich die Marke von 5.500 US-Dollar überschritten. Damit beträgt der Rückgang vom Rekordniveau ungefähr ein Viertel. Allein der niedrigere Börsenkurs lässt jedoch noch keinen Rückschluss darauf zu, wie stark Gold tatsächlich nachgefragt wird.
Nach den am 30. Juli veröffentlichten Gold Demand Trends des World Gold Council belief sich die weltweite Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher Geschäfte im zweiten Quartal 2026 auf rund 1.269 Tonnen. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal blieb das Volumen damit praktisch unverändert.
Im gesamten ersten Halbjahr wurden 2.522 Tonnen Gold nachgefragt. Das waren zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aufgrund des gegenüber 2025 deutlich höheren Durchschnittspreises erreichte der Wert der Nachfrage mit rund 380 Milliarden US-Dollar sogar einen neuen Höchststand.
Die Zahlen verdeutlichen einen wichtigen Unterschied: Der Goldpreis reagiert täglich auf Zinserwartungen, Währungsbewegungen, Terminmarktpositionen und geopolitische Nachrichten. Die physische und strategische Nachfrage verändert sich häufig langsamer. Ein fallender Preis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Käufer das Interesse an Gold verlieren.
| Marktsegment im zweiten Quartal 2026 | Nachfrage beziehungsweise Veränderung | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamtnachfrage einschließlich OTC | 1.269 Tonnen | Gegenüber dem Vorjahr stabil |
| Barren und Münzen | 307 Tonnen | Rund 3 Prozent weniger als im Vorjahr |
| Gold-ETFs | Abfluss von 45 Tonnen | Vor allem Verkäufe in Nordamerika |
| Zentralbanken | 289 Tonnen | 62 Prozent mehr als im Vorjahr |
| Außerbörsliche Nachfrage | 327 Tonnen | Rund 91 Prozent mehr als im Vorjahr |
| Schmucknachfrage | 278 Tonnen | 17 Prozent weniger als im Vorjahr |
Quelle und Datenstand: World Gold Council, 30. Juli 2026.
Die deutlichste Schwäche zeigte sich im zweiten Quartal bei börsengehandelten Goldprodukten. Weltweit wurden aus goldgedeckten ETFs rund 45 Tonnen abgezogen. Besonders stark war der Verkaufsdruck in Nordamerika. Dort beliefen sich die Abflüsse im gesamten ersten Halbjahr auf 61 Tonnen – das schwächste erste Halbjahr seit 2013.
Als Belastungsfaktoren nennt der World Gold Council unter anderem steigende Realzinsen, einen festeren US-Dollar sowie höhere Erwartungen an Inflation und Leitzinsen. Da Gold selbst keine laufenden Zinsen abwirft, erhöhen steigende Anleiherenditen kurzfristig die Opportunitätskosten des Edelmetalls.
Das globale Bild war jedoch nicht einheitlich. Asiatische Gold-ETFs verzeichneten im ersten Halbjahr Zuflüsse von insgesamt 70 Tonnen und damit ihr bislang stärkstes erstes Halbjahr. Europäische Fonds kamen auf ein Plus von acht Tonnen. Unter dem Strich erhöhten sich die weltweiten ETF-Bestände im ersten Halbjahr trotz des schwachen zweiten Quartals noch um 18 Tonnen.
Die weltweite Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen belief sich im zweiten Quartal auf 307 Tonnen. Das waren lediglich drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gegenüber dem außergewöhnlich starken ersten Quartal ging das Volumen zwar um 36 Prozent zurück. Der World Gold Council bewertet diese Entwicklung jedoch eher als Normalisierung nach zwei ungewöhnlich starken Quartalen denn als grundsätzlichen Nachfrageeinbruch.
Im gesamten ersten Halbjahr erreichte die Barren- und Münznachfrage 784 Tonnen und lag damit auf einem der höchsten Niveaus, die jemals in einer ersten Jahreshälfte gemessen wurden. Der Wert der im zweiten Quartal gekauften Barren und Münzen erhöhte sich wegen des hohen Preisniveaus von 33,3 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf 44,5 Milliarden US-Dollar.
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen kurzfristig handelnden und langfristig orientierten Marktteilnehmern. ETF-Positionen können innerhalb weniger Sekunden verändert werden. Der Erwerb physischer Barren oder Münzen folgt dagegen häufig einem längerfristigen Motiv, beispielsweise dem Wunsch nach Vermögensstreuung, direktem Eigentum oder einer vom Bankensystem unabhängigen Reserve.
Eine der auffälligsten Entwicklungen war die Rückkehr der Zentralbanken. Sie kauften im zweiten Quartal netto rund 289 Tonnen Gold. Das waren 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und mehr als fünfmal so viel wie die nachträglich revidierten 57 Tonnen des ersten Quartals.
Die Nationalbank Polens war unter den gemeldeten Käufern besonders aktiv. Sie erwarb im zweiten Quartal 51 Tonnen und erhöhte ihre Goldreserven bis Ende Juni auf 632 Tonnen. China kaufte weitere 33 Tonnen und wies damit offiziell Goldbestände von 2.346 Tonnen aus. Auch Zentralbanken aus Usbekistan, Kasachstan, Jordanien und Tschechien meldeten zusätzliche Käufe.
Für das gesamte erste Halbjahr errechnete der World Gold Council Zentralbankkäufe von rund 345 Tonnen. Das war zwar der niedrigste Halbjahreswert seit 2022, wurde jedoch wesentlich durch Verkäufe einzelner Länder im ersten Quartal beeinflusst. Die grundsätzlich positive Haltung der Notenbanken gegenüber Gold hat sich offenbar nicht verändert.
In einer aktuellen Erhebung des World Gold Council erwarteten 89 Prozent der befragten Reserveverwalter, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten zunehmen werden. Ein Rekordanteil von 45 Prozent plante, die eigenen Bestände auszubauen. Als Gründe gelten vor allem die Diversifikation von Währungsreserven, geopolitische Unsicherheiten und die langfristige Funktion von Gold als Wertaufbewahrungsmittel.
Neben den Zentralbanken stützte vor allem die außerbörsliche Nachfrage den Goldmarkt. Das sogenannte OTC-Segment erreichte im zweiten Quartal rund 327 Tonnen und lag damit 91 Prozent über dem Vorjahresniveau. Für das gesamte erste Halbjahr schätzt der World Gold Council die OTC-Nachfrage auf 571 Tonnen.
Diese Geschäfte finden außerhalb regulärer Börsenplätze statt und sind deshalb weniger transparent als ETF-Käufe oder Terminmarktpositionen. Nach Einschätzung des Branchenverbands spielte dabei insbesondere die Nachfrage vermögender asiatischer Privatanleger und Family-Offices eine wichtige Rolle.
China blieb gleichzeitig der weltweit größte Markt für Barren und Münzen. Im zweiten Quartal wurden dort 107 Tonnen nachgefragt. Obwohl dies unter dem außergewöhnlichen ersten Quartal lag, erreichte die Nachfrage im gesamten ersten Halbjahr mit 314 Tonnen einen Rekordwert.
Dass die Nachfrage stabil bleibt, während der Preis fällt, erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Der Grund liegt in der Struktur des Goldmarktes. Der tägliche Börsenpreis wird nicht nur durch den Handel mit physischem Metall bestimmt. Terminmärkte, Derivate, ETFs, Realzinsen, Wechselkurse und die Positionierung institutioneller Anleger beeinflussen den Preis häufig wesentlich schneller.
Im zweiten Quartal stieg beispielsweise die Zentralbank- und OTC-Nachfrage kräftig. Gleichzeitig zogen nordamerikanische Anleger Kapital aus Gold-ETFs ab. Der festere Dollar und die Erwartung anhaltend hoher Zinsen verstärkten den Preisdruck. Stabile physische Käufe konnten diese kurzfristigen Kapitalbewegungen nicht vollständig ausgleichen.
Der Markt ist deshalb nicht einfach stark oder schwach. Vielmehr verschiebt sich die Nachfrage zwischen Regionen und Anlageformen. Westliche Finanzinvestoren reduzierten teilweise ihre Positionen, während Zentralbanken und asiatische Anleger zu niedrigeren Kursen stärker zugriffen.
Für die weitere Preisentwicklung dürfte entscheidend sein, ob neben Zentralbanken und asiatischen Käufern auch westliche Finanzinvestoren wieder stärker in den Markt zurückkehren. Sinkende Realzinsen, ein schwächerer US-Dollar oder eine nachlassende Erwartung weiterer Zinserhöhungen könnten die Attraktivität unverzinster Anlagen verbessern.
Auch eine erneute Zunahme geopolitischer oder finanzpolitischer Unsicherheit könnte zusätzliche Nachfrage auslösen. Umgekehrt können dauerhaft hohe Zinsen, ein starker Dollar und eine Entspannung politischer Risiken den Goldpreis belasten. Eine verlässliche kurzfristige Prognose lässt sich daraus nicht ableiten.
Der World Gold Council erwartet für die zweite Jahreshälfte, dass Anlagekäufe der wichtigste Wachstumstreiber bleiben. Dabei könnten außerbörsliche Geschäfte und asiatische Anleger an Bedeutung gewinnen. Die Zentralbanken dürften nach Einschätzung des Verbands ebenfalls Nettokäufer bleiben, möglicherweise jedoch nicht mehr ganz im Umfang der vergangenen vier Jahre.
Der Preisrückgang ist real, doch er erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die Gesamtnachfrage lag im zweiten Quartal weiterhin bei fast 1.270 Tonnen. Zentralbanken kauften deutlich mehr Gold, die Nachfrage nach Barren und Münzen blieb im langfristigen Vergleich solide und außerbörsliche Käufe nahmen kräftig zu.
Gleichzeitig zeigen die ETF-Abflüsse, dass Gold kurzfristig empfindlich auf Zinsen, Dollarstärke und die Erwartungen großer Finanzinvestoren reagiert. Anleger sollten deshalb Preisbewegungen und strukturelle Marktdaten getrennt betrachten.
Für physisches Gold bleibt außerdem entscheidend, ob ein konkretes Produkt tatsächlich vorhanden und lieferbar ist. Bei Spargold werden ausschließlich Produkte angeboten, die physisch verfügbar sind. So bleibt nachvollziehbar, welches Edelmetall hinter einem Kauf steht.
Der Goldpreis ist eine Momentaufnahme – die Zusammensetzung der Nachfrage zeigt die langfristige Struktur.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen dar.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen