

2,453 Euro.
So viel kostete ein Liter Diesel am 16. September 2026 im bundesweiten Tagesdurchschnitt.
Neuer Rekord.
Auch Super E10 hatte wenige Tage zuvor mit 2,30 Euro je Liter einen historischen Höchststand erreicht.
Wer einen 60-Liter-Tank mit Diesel füllt, bezahlt damit:
147,18 Euro.
Bei 1,60 Euro je Liter wären es 96 Euro gewesen.
Differenz:
51,18 Euro – bei einer einzigen Tankfüllung.
Das ist bereits schmerzhaft.
Aber volkswirtschaftlich ist die Rechnung an der Zapfsäule nur der Anfang.
Benzin betrifft unmittelbar vor allem private Autofahrer.
Diesel besitzt eine zusätzliche Bedeutung.
Lkw.
Lieferfahrzeuge.
Baumaschinen.
Landwirtschaft.
Busse.
Logistik.
Ein erheblicher Teil der Waren, die wir täglich kaufen, wurde irgendwann mit einem dieselbetriebenen Fahrzeug transportiert.
Steigt der Dieselpreis dauerhaft, steigen deshalb die Kosten entlang der Lieferketten.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung warnt inzwischen vor erheblichen Belastungen. Nach seinen Berechnungen kann eine Flotte von 50 Lkw durch die gestiegenen Dieselpreise mehr als eine Million Euro zusätzliche Kosten pro Jahr haben.
Diese Million verschwindet nicht einfach.
Unternehmen haben letztlich nur wenige Möglichkeiten:
Kosten selbst tragen.
Produktivität erhöhen.
Investitionen reduzieren.
Oder Preise erhöhen.
Rohöl ist selbstverständlich ein wesentlicher Bestandteil des Kraftstoffpreises.
Und Brent war zuletzt mit mehr als 100 Dollar je Barrel teuer.
Aber selbst der ADAC weist auf eine interessante Diskrepanz hin.
Ende April kostete Brent ebenfalls ungefähr 110 Dollar.
Damals kostete E10 rund 2,10 Euro.
Jetzt lag E10 bei 2,30 Euro.
20 Cent Unterschied je Liter bei einem ähnlichen Rohölpreis.
Das zeigt:
Der Preis an der Zapfsäule wird nicht allein durch den Rohölpreis bestimmt.
Raffineriemargen, Produktknappheit, Logistik, Wechselkurse, Wettbewerb sowie Steuern und Abgaben spielen ebenfalls eine Rolle.
Auch diese Aussage ist zu einfach.
Die Energiesteuer ist eine Mengensteuer.
Pro Liter fällt grundsätzlich ein fester Steuerbetrag an – unabhängig davon, ob der Liter 1,60 oder 2,50 Euro kostet.
Anders die Mehrwertsteuer.
Sie beträgt 19 Prozent des Bruttopreises.
Steigt der Preis, steigt deshalb grundsätzlich auch der absolute Umsatzsteuerbetrag.
Das Bundesfinanzministerium hat genau diesen Effekt bereits modelliert.
Für den starken Preisanstieg im März 2026 errechnete es zunächst rund 116 Millionen Euro zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen.
Gleichzeitig gingen aber die verkauften Mengen zurück. Dadurch sanken in der Modellrechnung die Einnahmen aus der Energiesteuer um rund 82 Millionen Euro.
Der Fiskus profitiert also nicht eins zu eins von steigenden Preisen.
Aber die Umsatzsteuer wirkt tatsächlich wie ein prozentualer Aufschlag auf einen steigenden Grundpreis.
Die Bundesregierung reagierte auf die erste Preisexplosion 2026 bereits einmal.
Vom 1. Mai bis zum 30. Juni wurde die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um jeweils 14,04 Cent je Liter gesenkt.
Durch die dadurch ebenfalls sinkende Umsatzsteuer betrug die rechnerische Entlastung insgesamt rund:
17 Cent je Liter.
Der Bund bezifferte die Entlastung auf etwa 1,6 Milliarden Euro.
Danach lief die Maßnahme aus.
Jetzt stehen die Preise erneut auf Rekordniveau.
Und prompt wird über den nächsten Eingriff diskutiert.
Ein Vorschlag lautet, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend von 19 auf 7 Prozent zu senken.
Was würde das theoretisch bedeuten?
Bei einem Bruttopreis von 2,453 Euro Diesel beträgt der Nettopreis rechnerisch rund:
2,061 Euro.
Würde darauf statt 19 nur 7 Prozent Umsatzsteuer erhoben und der Nettopreis ansonsten unverändert bleiben, ergäbe sich:
rund 2,21 Euro je Liter.
Rechnerische Differenz:
rund 25 Cent pro Liter.
Bei 60 Litern wären das ungefähr:
15 Euro pro Tankfüllung.
Das ist allerdings eine theoretische Rechnung.
Ob eine Steuersenkung vollständig an der Zapfsäule ankommt, hängt von Wettbewerb, Marktpreisen und dem Verhalten der Anbieter ab.
Genau diese Erfahrung hat Deutschland bereits bei früheren Tankrabatten gemacht.
Hier wird das Thema für die Geldpolitik interessant.
Steigt Benzin, sinkt zunächst das verfügbare Einkommen eines Autofahrers.
Steigt Diesel, kann zusätzlich die Kostenstruktur der gesamten Wirtschaft betroffen sein.
Der Lkw transportiert Lebensmittel.
Baustoffe.
Maschinen.
Pakete.
Medikamente.
Rohstoffe.
Höhere Transportkosten können deshalb über viele Zwischenstufen in Verbraucherpreisen landen.
Das macht Kraftstoffpreise zu einem möglichen Inflationsverstärker.
Genau hier schließt sich der Kreis zu unserem jüngsten Spargold-Thema.
Die EZB hat ihren Einlagensatz am 10. September auf 2,50 Prozent erhöht.
Der Grund:
erneut steigender Inflationsdruck, insbesondere durch Energie.
Das Problem daran:
Höhere Zinsen produzieren keinen einzigen Liter Diesel.
Sie reparieren keine Pipeline.
Sie erhöhen keine Raffineriekapazität.
Und sie öffnen keine blockierte Schifffahrtsroute.
Die EZB kann lediglich versuchen, die Nachfrage zu bremsen und zu verhindern, dass sich der Energiepreisschock dauerhaft in Preisen, Löhnen und Inflationserwartungen festsetzt.
Ein Verbraucher kann dadurch theoretisch mehrfach getroffen werden.
An der Tankstelle durch höhere Kraftstoffpreise.
Im Supermarkt durch höhere Transportkosten.
Bei Dienstleistungen durch höhere Betriebskosten.
Und schließlich möglicherweise bei Krediten durch höhere Zinsen.
Das ist der Grund, warum ein Energiepreisschock volkswirtschaftlich wesentlich relevanter ist als eine teure Tankfüllung.
Zunächst:
2,45 Euro Diesel sind kein Gold-Kaufsignal.
Gold verhindert keine steigenden Energiepreise.
Es bezahlt keine Tankrechnung.
Und sein Preis kann erheblich schwanken.
Der Zusammenhang verläuft über die Kaufkraft.
Wenn Energiepreise auf viele andere Güter und Dienstleistungen übergreifen, verliert Geld real an Kaufkraft.
Und wenn Zentralbanken darauf mit höheren Zinsen reagieren müssen, verändert sich gleichzeitig die Bewertung praktisch aller Vermögensklassen.
Aktien.
Anleihen.
Immobilien.
Gold.
Gold zahlt keine Zinsen.
Es erzeugt keinen Cashflow.
Aber physisches Gold ist auch keine Forderung gegenüber einer Bank, einem Unternehmen oder einem Staat.
Deshalb kann es innerhalb einer diversifizierten Vermögensstruktur eine Funktion übernehmen, die weder Tagesgeld noch Aktien noch Immobilien exakt ersetzen.
Nicht als Wette auf den nächsten Dieselpreis.
Sondern als langfristiger Vermögensbaustein in einer Welt, in der Energie, Inflation und Geldpolitik wieder deutlich volatiler geworden sind.
Heute sehen wir:
2,453 €/Liter Diesel.
Das ist spektakulär.
Aber die langfristig wichtigere Frage lautet:
Was bleibt von 100 Euro Kaufkraft übrig, wenn Energie dauerhaft einen größeren Teil unseres Einkommens beansprucht und gleichzeitig andere Preise nach oben zieht?
Denn am Ende zählt nicht, wie viele Euro auf einem Konto stehen.
Entscheidend ist, was man dafür kaufen kann.
Die Tankstelle zeigt uns den Preis von Diesel.
Die Inflation zeigt uns den Preis unseres Geldes.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen