

Die Zahl sorgt für Aufmerksamkeit: Ende 2025 entsprach der Marktwert der Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rund 166,9 Prozent des umlaufenden Schweizer Bargelds. Rein rechnerisch wäre jeder ausgegebene Franken in Form von Banknoten und Münzen mehr als vollständig durch Gold gedeckt.
Doch genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Diskussion. Denn diese Berechnung berücksichtigt ausschließlich das Bargeld. Moderne Volkswirtschaften bestehen heute jedoch überwiegend aus digitalem Buchgeld. Wer die Stabilität einer Währung beurteilen möchte, sollte deshalb auch die Geldmengen M2 und M3 betrachten.
Die Berechnung setzt den aktuellen Marktwert der Goldreserven ins Verhältnis zum umlaufenden Bargeld (M0). Dabei handelt es sich um eine rein rechnerische Kennzahl.
Sie bedeutet ausdrücklich nicht, dass Schweizer Franken gegen Gold eingetauscht werden könnten oder dass die Schweiz wieder einen Goldstandard besitzt.
Der starke Anstieg auf 166,9 Prozent ist vielmehr das Ergebnis zweier Entwicklungen. Einerseits erreichte Gold 2025 neue Höchststände. Andererseits ging die umlaufende Bargeldmenge leicht zurück. Da die SNB ihre Goldbestände von rund 1.040 Tonnen unverändert hielt, erhöhte sich der Marktwert der Reserven deutlich.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht liegt die größte Schwäche der Kennzahl in ihrer Bezugsgröße.
Bargeld macht heute nur noch einen kleinen Teil der gesamten Geldmenge aus. Der weitaus größere Anteil besteht aus Giroguthaben, Sparguthaben und Termineinlagen, die durch das Bankensystem geschaffen werden.
Deshalb kritisieren viele Ökonomen den ausschließlichen Vergleich mit dem Bargeld.
Die Geldmengen unterscheiden sich erheblich.
| Geldmenge | Inhalt | Aussagekraft |
|---|---|---|
| M0 | Bargeld und Zentralbankgeld | Grundlage der 166,9 %-Berechnung |
| M1 | Bargeld plus täglich verfügbare Bankeinlagen | zeigt bereits deutlich mehr Geld im Umlauf |
| M2 | M1 plus Spar- und kurzfristige Termineinlagen | bildet die Geldversorgung wesentlich realistischer ab |
| M3 | M2 plus Geldmarktpapiere und weitere liquide Einlagen | gilt als umfassendste Geldmenge |
Würde man den Marktwert der Goldreserven nicht mit M0, sondern mit M2 oder M3 vergleichen, würde die theoretische Golddeckung drastisch sinken. Aus einer scheinbaren Volldeckung würde lediglich ein niedriger einstelliger Prozentwert.
Für Unternehmen, Verbraucher und Finanzmärkte spielt nicht nur das Bargeld eine Rolle.
Überweisungen, Bankguthaben, Sparanlagen und kurzfristige Einlagen bestimmen heute den größten Teil der Geldversorgung einer Volkswirtschaft. Genau deshalb beobachten Zentralbanken vor allem die breiteren Geldmengen M2 und M3.
Sie geben wesentlich besser Auskunft darüber,
Eine Golddeckung auf Basis von M3 würde daher die wirtschaftliche Realität wesentlich genauer widerspiegeln als eine reine Betrachtung des Bargeldumlaufs.
Trotz aller Kritik ist die Berechnung keineswegs bedeutungslos.
Bargeld ist die einzige Geldform, die direkt von der Zentralbank emittiert wird. Giralgeld entsteht dagegen überwiegend durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken.
Die Kennzahl beantwortet deshalb eine klar definierte Frage:
Welchen Gegenwert besitzen die Goldreserven der Zentralbank im Verhältnis zu ihrem selbst ausgegebenen Bargeld?
Gerade im historischen Vergleich liefert diese Betrachtung interessante Erkenntnisse.
Die Schweiz nimmt hierbei weltweit eine Sonderstellung ein.
| Währungsraum | Theoretische Golddeckung des Bargelds |
|---|---|
| Schweiz | 166,9 % |
| Eurozone | 78,44 % |
| USA | 46,82 % |
| Indien | 25,59 % |
| Japan | 16,39 % |
| China | 15,36 % |
Die außergewöhnlich hohe Quote verdeutlicht vor allem die Größe der Schweizer Goldreserven und den kräftigen Anstieg des Goldpreises.
Interessanterweise verfolgen Zentralbanken weltweit weiterhin eine Strategie des Goldaufbaus.
Während sich das Geldsystem zunehmend digitalisiert, wächst gleichzeitig die Bedeutung physischer Goldreserven. Viele Notenbanken bauen ihre Bestände seit Jahren kontinuierlich aus. Gold erfüllt dabei keine geldpolitische Steuerungsfunktion mehr, besitzt aber weiterhin eine hohe Bedeutung als internationale Vertrauensreserve.
Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Gewicht.
Die theoretische Golddeckung des Schweizer Bargelds von 166,9 Prozent ist eine bemerkenswerte Kennzahl – sie beschreibt jedoch ausschließlich den Bargeldumlauf.
Wer daraus eine Aussage über die Stabilität der gesamten Währung ableiten möchte, greift zu kurz. Erst die Betrachtung der breiteren Geldmengen M2 und insbesondere M3 zeigt, wie groß die tatsächlich umlaufende Geldmenge einer Volkswirtschaft ist.
Die hohe Goldquote ist deshalb weniger ein Beleg für einen besonders "goldgedeckten" Franken als vielmehr Ausdruck der außergewöhnlich großen Goldreserven der Schweiz. Sie unterstreicht die strategische Bedeutung von Gold im internationalen Währungssystem – ersetzt jedoch keine umfassende Analyse moderner Geldmengen.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen