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Keine Angst vor Kursverlusten bei Gold und Silber

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Helge Ippensen
12. Januar 2026
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Keine Angst vor Kursverlusten bei Gold und Silber

Der Gold- und Silbermarkt hat in den vergangenen Monaten eine außergewöhnliche Rally erlebt. Gold verzeichnete den stärksten Jahresanstieg seit Jahrzehnten, während sich der Silberpreis innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelte. Diese Entwicklung sorgt bei vielen Anlegern für Euphorie, aber auch für Unsicherheit. Insbesondere temporäre Kursrückgänge, ausgelöst durch technische Effekte wie Indexanpassungen, werden häufig missverstanden und als Trendwende interpretiert. Tatsächlich sprechen viele Faktoren dafür, dass es sich dabei eher um kurzfristige Marktmechanismen als um fundamentale Risiken handelt.

Warum Gold und Silber zuletzt so stark gestiegen sind

Der Preisanstieg bei Edelmetallen ist das Ergebnis mehrerer gleichzeitig wirkender Faktoren. Zentralbanken haben ihre Goldreserven deutlich ausgeweitet, während sinkende oder stagnierende Zinsen die Opportunitätskosten von Gold reduzieren. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, eine anhaltend hohe Staatsverschuldung und ein schwächerer US-Dollar. Silber profitiert zusätzlich von seiner industriellen Nutzung, insbesondere in der Energiewende und der Elektromobilität.

Die folgende Tabelle zeigt die ungefähre Entwicklung von Gold und Silber innerhalb eines Jahres:

Edelmetall Preis Anfang 2025 (USD) Preis Anfang 2026 (USD) Veränderung
Gold 2.623 4.508 +71,8 %
Silber 28,98 79,80 +175,4 %

Diese Zahlen verdeutlichen, warum Edelmetalle aktuell stark im Fokus institutioneller und privater Investoren stehen.

Was hinter dem Index-Rebalancing steckt

Viele Rohstofffonds und ETFs bilden große Indizes wie den Bloomberg Commodity Index nach. Diese Indizes werden regelmäßig neu gewichtet, um zu verhindern, dass einzelne Rohstoffe ein zu großes Gewicht im Gesamtportfolio einnehmen. Nach außergewöhnlich starken Kursanstiegen von Gold und Silber sind die Anteile dieser Edelmetalle über die vorgesehenen Zielquoten hinausgewachsen.

Im Zuge des jährlichen Rebalancings müssen Fonds daher Gold und Silber verkaufen, um die Indexregeln einzuhalten. Diese Verkäufe können kurzfristig zu Preisdruck führen, obwohl sich an der fundamentalen Marktlage nichts geändert hat. Wichtig ist dabei, dass diese Anpassungen lange im Voraus bekannt sind und zeitlich begrenzt stattfinden.

Ein vereinfachter Überblick über die Indexanpassung:

Rohstoff Gewicht vor Rebalancing Zielgewicht nach Rebalancing
Gold über 20 % ca. 15 %
Silber rund 8 % ca. 4 %

Diese Reduzierung ist technisch bedingt und kein Ausdruck sinkender Nachfrage.

Wie stark können die Preise kurzfristig unter Druck geraten?

Analystenschätzungen gehen davon aus, dass durch das Rebalancing Gold im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar verkauft werden muss. Der daraus resultierende Preiseffekt wird jedoch als überschaubar eingeschätzt. Für Gold wird ein kurzfristiger Rückgang im Bereich von ein bis zwei Prozent erwartet, beim kleineren Silbermarkt kann die Volatilität etwas höher ausfallen.

Entscheidend ist, dass sich diese Effekte historisch als temporär erwiesen haben. In vielen Fällen stabilisierten sich die Preise bereits wenige Tage nach Abschluss der Indexanpassungen oder setzten ihren Aufwärtstrend sogar fort.

Langfristige Perspektive für Gold- und Silberanleger

Für langfristig orientierte Anleger sind solche Schwankungen in der Regel von untergeordneter Bedeutung. Die strukturellen Treiber für Gold und Silber bleiben bestehen. Zentralbanken kaufen weiter Gold, reale Zinsen bleiben niedrig oder negativ, und geopolitische Unsicherheiten nehmen eher zu als ab. Hinzu kommt, dass die Angebotsseite bei beiden Metallen nur begrenzt ausweitbar ist.

Auch große Investmentbanken zeigen sich optimistisch. Teilweise werden für Gold weitere Kurssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich innerhalb der nächsten Quartale erwartet. Silber gilt zudem weiterhin als Nachzügler mit zusätzlichem Aufholpotenzial.

Fazit: Kurzfristige Schwäche ist kein Warnsignal

Kursrückgänge im Zuge von Index-Rebalancings sind kein Zeichen für das Ende des Edelmetallbooms, sondern ein normaler Bestandteil moderner Finanzmärkte. Sie entstehen durch technische Umschichtungen und nicht durch einen grundlegenden Stimmungsumschwung. Für Anleger mit langfristigem Horizont können solche Phasen sogar attraktive Einstiegsmöglichkeiten darstellen.

Gold und Silber erfüllen weiterhin ihre Rolle als Absicherung gegen Inflation, Währungsabwertung und geopolitische Risiken. Wer diese Funktion versteht, sollte sich von kurzfristigen Bewegungen nicht verunsichern lassen, sondern den strategischen Wert von Edelmetallen im Portfolio im Blick behalten.

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