
Die Gold-Silber-Ratio ist auf den ersten Blick nur eine Division: Goldpreis durch Silberpreis. In der Praxis ist sie ein Verdichtungswert für Marktregime. Steigt die Ratio, dominiert oft Vorsicht; fällt sie, gewinnt häufig zyklischer Optimismus oder Silber-Momentum an Raum.
Der Monthly Gold Compass liefert dafür langfristige Ankerpunkte. Die monatlichen Durchschnittswerte werden dort mit 68,87 seit 2000, 60,23 seit 1970 und 52,17 seit 1900 angegeben. Das ist redaktionell wertvoll, weil es die Ratio aus dem Bauchgefühl holt und in historische Normalbereiche setzt.
Warum ist das 2026 relevant? Weil beide Metalle in hohen Preisregionen handeln und sich die relativen Bewegungen stärker auf Portfolio-Wahrnehmung auswirken. Wenn Gold in kurzer Zeit sehr stark läuft, während Silber zurückbleibt, kann die Ratio steigen – und das wird oft als „Defensivsignal“ gelesen. Umgekehrt kann Silber in Momentum-Phasen Gold temporär überholen, wodurch die Ratio sinkt und die Marktstimmung risikofreudiger wirkt.
Auch hier spielt Makro hinein: Mit einer US-Inflation von +3,3% y/y und einem Zinsumfeld, in dem die Fed-Funds-Obergrenze bei 3,75% liegt, ist 2026 ein Jahr, in dem kleine Änderungen in Erwartungen große relative Preisbewegungen auslösen können. Genau deshalb lohnt die Ratio als zweiter Blick: nicht statt Gold und Silber, sondern zusätzlich.
Die Ratio ist kein Orakel. Aber sie ist ein gutes Instrument, um Phasen einzuordnen: Wann dominiert „Sicherheit“ und wann „Zyklus“? Wer Edelmetalle beobachtet, bekommt damit eine klare, einfache Kennzahl, die erstaunlich viel Kontext transportiert.
Tabelle: Gold-Silber-Ratio – langfristige Monatsdurchschnitte
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Zeitraum |
Monatsdurchschnitt |
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seit 2000 |
68,87 |
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seit 1970 |
60,23 |
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seit 1900 |
52,17 |
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Helge Peter Ippensen
