Die chinesische Silber-Mauer: Exportstopp treibt Preise und beendet die "Involution"
Es ist der 2. Januar 2026. Während die westlichen Märkte noch den Kater der Neujahrsfeiern ausschlafen, ist in Asien eine neue Realität erwacht. Mit dem gestrigen Stichtag, dem 1. Januar 2026, hat China seine lange angekündigte Drohung wahr gemacht und die „Große Silber-Mauer“ hochgezogen.
Die neuen Exportbestimmungen für strategische Metalle sind in Kraft. Doch anders als in den Schlagzeilen der Mainstream-Medien vermutet, geht es Peking nicht nur um bloße Verknappung. Dahinter steckt ein tieferer, ökonomischer Masterplan: Das Ende der „Involution“.
Die neuen Spielregeln: Was seit gestern gilt
Das chinesische Handelsministerium hat Silber offiziell auf die Liste der „Dual-Use“-Güter gesetzt, ähnlich wie zuvor Gallium und Germanium. Das bedeutet:
- Strikte Lizenzierung: Chinesische Raffinerien benötigen nun eine staatliche Sondergenehmigung, um Silberbarren oder -granulat zu exportieren.
- Quoten-System: Die Exportmengen wurden drastisch reduziert. Marktbeobachter sprechen von einer Senkung um bis zu 40 % im Vergleich zum Vorjahr.
- Preiskontrolle: Exporte unterhalb eines staatlich definierten Mindestpreises (der sich am Shanghai-Preis orientiert) sind faktisch verboten.
Der wahre Grund: Der Kampf gegen die „Involution“ (Neijuan)
Was viele Analysten im Westen übersehen, ist der innenpolitische Treiber dieser Maßnahme. Die chinesische Regierung bekämpft aktiv die sogenannte „Involution“ (chinesisch: Neijuan).
In den letzten Jahren lieferten sich chinesische Silber-Raffinerien und Industrieunternehmen einen ruinösen Wettbewerb. Um Marktanteile zu gewinnen, unterboten sie sich gegenseitig im Preis und exportierten das Edelmetall mit minimalen Margen in den Westen. Das Ergebnis war ein paradoxer Zustand: China verarbeitete das Silber, verschmutzte die eigene Umwelt, lieferte aber den wertvollen Rohstoff billig an westliche Tech-Giganten und Solar-Hersteller.
„Peking hat genug davon, dass chinesische Unternehmen sich gegenseitig kannibalisieren. Die neue Doktrin lautet: Profitabilität vor Volumen. Wenn der Westen unser Silber will, muss er den wahren Preis dafür zahlen.“
Ähnlich wie bei der Konsolidierung des Elektroauto-Marktes (EV), wo der Staat ineffiziente Billig-Produzenten aus dem Markt drängte, soll nun auch der Rohstoffsektor „gesundet“ werden. Die Ära des billigen Silbers aus dem Osten ist vorbei.
Shanghai vs. London & New York: Die Entkopplung
Die direkten Auswirkungen sehen wir sofort an den Börsenplätzen. Es entsteht eine massive Diskrepanz zwischen dem physischen Markt in Asien und dem „Papier-Markt“ im Westen.
Die Shanghai Gold Exchange (SGE)
An der SGE in Shanghai wird physisches Metall gehandelt. Hier bestimmt die reale industrielle Nachfrage den Preis. Durch den Exportstopp bleibt das Silber nun im Land, was die heimische Solar- und Chipindustrie stärkt, aber den globalen Markt austrocknet.
LBMA (London) und COMEX (New York)
Hier dominieren Futures und Derivate – das sogenannte „Papiersilber“. Doch die Lagerbestände der LBMA und COMEX bluten aus. Da der Nachschub aus China fehlt, können die Lieferverpflichtungen kaum noch gedeckt werden.
Wir sehen aktuell eine Explosion des Spread (Preisaufschlags). Physisches Silber in Shanghai handelt bereits mit einem Aufschlag von über 12 % gegenüber dem theoretischen Spot-Preis in London. Wer wirkliches Silber will, muss den „China-Preis“ zahlen, nicht den „Papier-Preis“.
| Börsenplatz | Funktion | Status 2026 |
|---|---|---|
| SGE (Shanghai) | Physischer Handel & Auslieferung | Bestimmt den globalen Bodenpreis; saugt Metall auf. |
| LBMA (London) | OTC-Handel (Over the Counter) | Lagerbestände auf kritischem Tief; Lieferengpässe. |
| COMEX (New York) | Terminmarkt (Futures) | Massive Short-Eindeckungen; Preis entkoppelt sich von der physischen Realität. |
Die Lieferketten unter Schock
Für die globale Industrie ist der 1. Januar 2026 ein „Black Swan Event“. Besonders die Solar-Branche in Europa und den USA steht unter Druck. China kontrolliert einen Großteil der Veredelungskapazitäten. Ohne das veredelte Silber aus China stockt die Produktion von Photovoltaik-Modulen und Hochleistungschips.
Erste Berichte deuten darauf hin, dass große Tech-Konzerne nun versuchen, direkt an der SGE einzukaufen und das Metall über Umwege zu importieren – zu horrenden Kosten.
Fazit: Physischer Besitz ist der einzige Schutz
Die chinesische Silber-Mauer steht. Sie ist das Resultat einer neuen ökonomischen Selbstbewusstheit, die „Involution“ ablehnt und reale Werte priorisiert. Für Anleger bedeutet dies: Der Silberpreis wird nicht mehr in London oder New York gemacht, sondern in Shanghai.
In einer Welt, in der Lieferketten politisch als Waffe eingesetzt werden und Papierkontrakte an der COMEX im Zweifelsfall nicht mehr beliefert werden können, zählt nur das, was Sie wirklich besitzen.
Mit der Spargold App sind Sie unabhängig von Papierspielereien. Wir lagern für Sie 100 % physisches Eigentum, sicher und außerhalb des Bankensystems. Nutzen Sie die aktuellen Verwerfungen, um sich strategisch zu positionieren. Wenn die Industrie um jede Unze kämpft, sollten Sie Ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben.
Bleiben Sie weitsichtig
Ihr Nils Gregersen
